BitTorrent: Thom Yorke macht Filesharing legal

Über 400 000 Downloads des neuen Albums in drei Tagen

Als Spotify-User hatte man fast schon vergessen, dass die Filesharing-Technologie überhaupt existiert. Ausgerechnet ein Musiker sorgt jetzt dafür, dass sich das ändert. Mit der Veröffentlichung seines neuen Albums via BitTorrent, entfacht Radioheads Thom Yorke eine neue Diskussion über die Zukunft der Musikbranche und des Filesharing.

Das mediale Comeback der Tauschbörsen

Filesharing-Dienste wie Napster oder KaZaa hatten zu Beginn des neuen Jahrtausends dem Höhenflug der Musikindustrie einen harten Dämpfer verpasst. Was man früher noch auf Tonträgern für viel Geld verkauft hatte, war plötzlich in Massen online kostenlos erhältlich.

Seitdem sind die Umsätze der Musikindustrie stark geschrumpft, viele Labels sind in der Folge verschwunden. Die großen Labels überzogen Filesharing-Nutzer flächendeckend mit kostenpflichtigen Abmahnungen, um wenigstens auf diese fragwürdige Weise noch etwas zu verdienen.

Die prekäre Lage vieler Musiker

Die Musikindustrie hat in den letzten Jahren viele weitere neue Einnahmequellen aufgetan und verdient bei allen Aktivitäten ihrer Künstler mit. Die Lage vieler Musiker im Jahr 2014 ist dagegen prekär. Sofern man nicht in den den Top 10 auftaucht, haben Künstler heute kaum noch die Möglichkeit, mit ihrer Musik Geld zu verdienen und ihren Lebensunterhalt zu bestreiten. Außer sie live zu spielen, aber auch das wird zunehmend schwierig. La Roux hatte kürzlich in einem erstaunlich offenen Interview zu Protokoll gegeben, dass sie trotz zweier weltweiter Top 10-Hits noch nie Geld mit ihren Platten verdient habe. Die Einnahmen gingen komplett für die Produktion von Album, Videos und Promotion drauf. Auch live habe sie noch nie etwas verdient, da sie die Gage mit ihrer Band teilen müsse. 

Auch Herbert Grönemeyer hatte kürzlich in einem Interview kritisiert, dass man durch die günstige Flatrate der Streaming-Dienste heute kaum noch etwas mit Musik verdienen könne. Vor allem Künstler jenseits der Top 10 bekommen bisher kaum etwas vom Streaming-Kuchen ab und das wird sich wohl auch künftig nicht ändern. Zwar könnte durch die zunehmende Verbreitung der Streaminganbieter der Gesamtumsatz der Musikbranche wieder deutlich steigen. Doch die "wahren" Musikfans, die bisher für Alben ihrer Lieblingskünstler viel Geld ausgegeben hatten, müssen fürs Streaming nur noch pauschal 10 Euro im Monat zahlen, um auf sämtliche Musik zugreifen zu können.

Da sich das Streaming erst ab sehr großen Mengen rechnet, profitieren also erneut nur die Künstler aus den Charts, aber nicht die vielen kleineren und nischigen Acts, die früher mit ihren Tonträgern noch etwas verdienen konnten.

 

Erscheint auch das neue Radiohead-Album als Torrent?

Insofern ist das "Experiment" von Thom Yorke, sein neues Album über die Tauschbörse BitTorrent zu veröffentlichen, ein interessanter Test für alle Künstler und Labels, die in Spotify und Co. nicht die rosige Zukunft, sondern das Ende der Musik und der kulturellen Vielfalt sehen. Denn letztlich steht es nur in der Macht der Künstler, ein unlukratives Geschäftsmodell zu stoppen, indem sie ihre Musik dafür nicht mehr zur Verfügung stellen.

Das neue Album von Thom Yorke ist nicht bei Spotify zu haben, sondern ausschließlich via BitTorrent und als teures Vinyl für audiophile Fans. Der Download des Albums kostet nur 6 Dollar und außerdem gibt es einen Song mit Video kostenlos. Über 400 000 Downloads wurden auf diese Weise in drei Tagen erzielt. Wie viel davon wirklich verkauft wurden, ist aber noch nicht bekannt. Sollte das Experiment tatsächlich Erfolg haben, dann werden wohl auch Radiohead ihr neues Album über diesen neuen Kanal veröffentlichen - und weitere werden folgen. 

Die legale Tauschbörse als Konkurrenz der Streaming-Anbieter

"Es ist das erste Mal, dass man für ein Torrent-File bezahlen muss", sagte BitTorrent-CCO Matt Mason dem Daily Dot. "Und es kann geschützt werden, so dass die Urheber darauf vertrauen können, dass ihr Bundle nicht illegal weiter verbreitet wird". Und da wird es auch für die Musikindustrie interessant: Tatsächlich kann der Download von jedem einzelnen Käufer nicht unendlich weiter verbreitet werden, wie es bei bisher bei Filesharing-Diensten der Fall war. Denn gegen "kostenlos" kann kein noch so cleveres Geschäftsmodell konkurrieren. 

Cannapower: Die legale Tauschbörse?

"Wir sehen, dass die Leute bereit sind, etwas Neues auszuprobieren. Sie wollen glauben, dass die Zukunft der Musik mehr ist, als ein paar Cents über Streams zu verdienen", so Mason über das neue Geschäftsmodell seiner Firma. Für sie könnte es sich auszahlen, denn über BitTorrent wird nicht nur Musik geteilt, sondern auch die Blockbuster und Serien aus Hollywood. Mit 170 Millionen Nutzern sei BitTorrent jetzt schon größer wie Spotify, Netflix, Hulu und Bandcamp zusammen. Sofern nur ein Bruchteil davon zu zahlenden Kunden wird, könnte BitTorrent zur mächtigen Konkurrenz dieser Anbieter werden. 

Top 10: Die besten Songs von Radiohead

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