Brennen und Downloaden in Deutschland

Immer mehr Deutsche laden sich Musik aus dem Netz und brennen sich eigene Mix-CDs - das ist das Ergebnis einer Studie der Gesellschaft für Konsumforschung, die jetzt vom deutschen Phonoverband der Öffentlichkeit vorgestellt wurde.

Zum mittlerweile bereits dritten Mal hat sich die GfK im Auftrag der Musikwirtschaft mit dem Konsumverhalten der deutschen Musikfans beschäftigt. Das Ergebnis zeigt deutlich, dass Netz und neue Medien für immer mehr Verbraucher zum festen Bestandteil ihres Umgangs mit Musik geworden ist. So wurden im Jahr 2002 in Deutschland rund 259 Millionen CD-Rohlinge mit Musik bespielt. In mittlerweile rund 30 Prozent aller Haushalte gibt es dazu einen CD-Brenner.

Die Studie zeigt aber auch auf, dass die überwiegende Mehrheit dieser CDs ganz legal gebrannt werden. Fast 95 Prozent aller Befragten gaben an, CDs zum Eigengebrauch zu brennen. An zweiter und dritter Stelle rangierten Kopien für Freunde und Haushaltsmitglieder. Die so genannte Schulhofpiraterie - das illegale Weiterverbreiten von CDs über das persönliche Umfeld hinaus - scheint dagegen kaum eine Rolle zu spielen. Gerade einmal 10,5 Prozent aller Befragten kopieren CDs für Menschen, die nicht aus dem direkten Freundes- und Verwandtenkreis stammen.

In den meisten Fällen - bei 67 Prozent aller Befragten - werden zudem einzelne Musikstücke für das Erstellen persönlicher Mixe kopiert. Als Hauptgrund für das Kopieren von CDs wurde dann auch "Lieblingsstücke auf einem Tonträger" genannt. An zweiter Stelle steht das Kopieren eigener Original-CDs, an dritter das Vervielfältigen geliehener Original-Alben. Zweitwichtigster Grund für das Brennen von CDs war für die Befragten, dass die Silberscheiben im Handel zu teuer sind.

In Sachen Internet-Nutzung sind die deutschen Musikfans offenbar noch nicht ganz so fit. Nur rund 10 Prozent gaben an, im letzten Jahr Titel aus dem Netz geladen zu haben. Insgesamt sollen dennoch rund 622 Millionen Songs aus dem Netz geladen worden sein. Beliebteste Download-Plattform war dabei Kazaa mit rund 63 Prozent, an zweiter Stelle rangieren Websites mit rund 46 Prozent. Universals Popfile scheint damit aber nicht gemeint zu sein. Nur 6,4 Prozent aller "Downloader" gaben an, auch Titel von kostenpflichtigen Angeboten heruntergeladen zu haben. Im Jahr zuvor - und damit vor dem Start der Download-Plattform von Universal - waren dies mit sechs Prozent etwa genau so viele.

Hauptgrund für das Downloaden ist dann auch, dass die Songs im Netz umsonst sind. An zweiter Stelle steht der Wunsch, eigene Compilations zusammenzustellen. Einen bemerkenswerten dritten Platz belegte die Antwort "finde interessante neue Musik", die 69 Prozent aller Befragten als Grund fürs Downloaden angaben. (jr)
Thema: 

Tonspion Newsletter

Alle wichtigen Neuigkeiten aus der Welt der Musik einmal wöchentlich in deine Mailbox.
Kein Spam, versprochen! Du kannst dich in jedem Newsletter wieder abmelden.
* Pflichtfeld

Tonspion präsentiert täglich die beste neue Musik mit Streams, Videos und kostenlosen Downloads sowie die wichtigsten Neuheiten aus dem Netz.
Folge uns auf Facebook:

Ähnliche News

Das teuerste Lied der Welt

Das teuerste Lied der Welt

US-Amerikanerin muss 9250 Dollar pro MP3 zahlen
Im Internet spielt die Musik längst weit jenseits der alten Plattenfirmen. Doch das hält diese nicht davon ab, immer noch ihre Kämpfe von vorgestern auszutragen. Jetzt wurde eine US-Amerikanerin zur Zahlung von 222 000 Dollar verurteilt, weil sie 24 MP3s in einer Tauschbörse bereit gestellt hatte.   
Schweizer Ifpi bittet DJs zur Kasse

Schweizer Ifpi bittet DJs zur Kasse

Der Tonspion Wochenrückblick
Die Schweizer Ifpi bittet diesmal nicht die Filesharer sondern die DJs zur Kasse, die britischen Indpendent Labels waren noch nie so erfolgreich wie im Jahr 2006 und Zune, der neue MP3-Player von Microsoft hat Startschwierigkeiten.
DRM oder nicht DRM: das ist hier die Frage

DRM oder nicht DRM: das ist hier die Frage

Der offene Brief von Steve Jobs ist Topthema der Woche
Es ist noch immer das Topthema des Tages: der offene Brief von Steve Jobs, in dem er für den Verzicht auf DRM plädiert. Teils heftige und ablehnende Reaktionen hat es seitens der Musikindustrie gegeben. Die Meldungen der letzten Tage, in denen rumort wurde, dass sich die Majorlabels Jobs Plädoyer zu Herzen genommen haben bleiben seitens der Industrie zumeist unkommentiert. Die Zankäpfel DRM und Interoperabilität werden auf jeden Fall wie wild herumgereicht.

Napster ruft zum Boykott gegen iTunes auf!

Der Tonspion Wochenrückblick
Der offene Brief, den Steve Jobs vor wenigen Tagen veröffentlichte, hat teils heftige Reaktionen seitens der Musikindustrie ausgelöst. Jetzt meldet sich auch Napster-Chef Chris Gorog zu Wort und ruft förmlich zum Boykott gegen Apples iTunes Store auf. Weniger boulvardesk ist die Meldung, dass Warner Music jetzt mit der Music-Social-Networking Plattform Last.FM zusammenarbeiten wird.
Steve Jobs fordert Abschaffung von Kopierschutz

Steve Jobs fordert Abschaffung von Kopierschutz

Musikindustrie weist die Forderung zurück
Apple-Chef Steve Jobs hat sich mit seiner Forderung nach einer Abschaffung des Digital Rights Managements für digitale Downloads in der Musikindustrie keine Freunde gemacht. Die deutschen Phonoverbände sprechen von einem "scheinheiligen" Vorstoß.