Bruce Haring über die "Digitale Revolution in der Musikwelt"

Mehr und mehr Autoren setzen sich mit MP3 auseinander. Bruce Haring, langjähriger Mitarbeiter von USA Today und Billboard, beschreibt in seinem Buch „MP3 – Die digitale Revolution in der Musikwelt“ (erschienen bei Orange Press) genauestens die nicht hürdenfreien Entwicklungen der Musikszene im weltweiten Web.

Schon mit seinem Buch "Ruthless Days and Reckless Nights" machte sich Bruce Haring nicht gerade beliebt bei der amerikanischen Musikindustrie. Seither gilt er als einer ihrer eifrigsten Kritiker. Über die Zukunft von MP3 und Musik im Netz erfährt man bei Haring nicht viel. Dafür jede Menge Geschichten aus Zeiten, die einem Jahrzehnte entfernt vorkommen und doch vor gar nicht langer Zeit erst stattfanden. Denn Haring beleuchtet die Anfänge des Internets und der Verwendung komprimierter Musikdateien, die erbitterten Kämpfe um Rechte, Paragraphen, Copyrights und Geld. Bruce Haring lässt auch hier kein gutes Haar an der amerikanischen Recording Industry. Haring erzählt von dem Monopol, dass sie sich aufbauten, von den Knebelverträgen der Musiker und den enormen Gewinnen, die die Einführung der CD der Plattenindustrie brachte - und wie die RIAA in Panik verfiel, als MP3 immer mehr Fürsprecher erlang und schon lange vor dem Aufkommen von Tauschbörsen alles zu verklagen versuchte, was irgendwie mit MP3 und Musik im Netz zu tun hatte.

Er erzählt die Geschichten der Pioniere von MP3, wie Michael Robertson, der sich Mitte 1997 für 1000 Dollar den Domainnamen MP3.com von einem ahnungslosen Typen namens Martin Paul sicherte, der sich den Namen aufgrund seiner Initialen registriert hatte. Haring berichtet über den Aufstieg Robertsons, seinen Auseinandersetzungen mit dem Intimfeind Liquid Audio und wie sich die grossen Namen nur zögerlich an MP3.com herantrauten. Haring portraitiert Rob Lord und Jeff Patterson, die schon Ende 1993 mit dem Internet Underground Music Archive (IUMA) die erste Plattform für die Distribution von Musik im Netz schufen und die Olim-Brüder, die im Jahr darauf mit der Gründung von Cdnow den Musikhandel durcheinander wirbelten. Shawn Fannig, Gründer von Napster, Justin Frankel, Erfinder von WinAmp und Shoutcast und viele andere Personen und Unternehmen, die für MP3 kämpften, bleiben in Harings Buch nicht unerwähnt. Ein spannendes, interessantes und gut geschriebenes Buch über die Anfänge einer Revolution im Musikgeschäft, mit einem Vorwort von Chuck D., einem der prominentesten Fürsprecher von MP3 in den USA.
Der neugegründete Verlag Orange Press hat sich auf das Verlegen von Büchern mit musikspezifischen Inhalten spezialisiert. So findet man im Angebot von Orange Press auch eine Björk-Biographie, Bücher über die Geschichte von R&B und Hip-Hop und - ein Buch von John Travolta, aber nicht etwa über elegantes Tanzen, sondern über das Fliegen...(os)

Bruce Haring: MP3 - Die digitale Revolution in der Musikindustrie. Orange Press, Freiburg. ISBN 3-936086-02-8, 186 Seiten,15 ?

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