Bushido bekennt sich schuldig

20.000 Euro Strafe gegen den Aggro-Rapper wegen schwerer Körperverletzung
Mit einer „Diversion“ – darunter versteht man die das Strafmaß günstig beeinflussende Einstellung des Verfahrens aufgrund vollen Schuldeingeständnisses - endete Freitag Nachmittag der Prozess gegen den deutschen Rapper Bushido vor einem Strafgericht im österreichischen Linz. Das Verfahren wurde eingestellt.

Vor den Türen einer Disco war es vergangenen Sommer in der österreichischen Stahlstadt zu einer folgenschweren Rauferei gekommen: Nachdem die Reifen von Bushidos BMW von Unbekannten zerstochen worden waren, waren die Schuldigen schnell ausgemacht. Der mutmaßliche Täter, ein 19-jähriger Linzer, wurde von Bushido mit einer leeren Flasche nieder geschlagen und am Boden liegend von seinen Begleitern auch noch mit Fußtritten bedacht. Diagnose: Schädelbruch. Kurioses Detail: Nicht durch den Schlag selbst, sondern durch den Sturz hatte sich der 19-jährige schwer verletzt.

15 Tage Untersuchungshaft waren die Folge. Schließlich wurde Bushido ? mit bürgerlichem Namen Anis Ferchichi ? gegen Bezahlung einer Kaution von 100.000 Euro auf freien Fuß gesetzt. Von diesem Einsatz wird er jetzt allerdings nur noch 80.000 zurück bekommen, denn 20.000 Euro hat er an Bußgeld den österreichischen Staat zu entrichten. Ein gemessen am Grad der Verletzung und den Einkommensverhältnissen des Rappers wohl eher mildes Urteil.

Kaum ein Tag verging in den letzten Monaten, an dem nichts über die Indizierung von auf dem Berliner Label Aggro erschiener Rap-Songs zu lesen war. Sexistisch, gewaltverherrlichend, homophob lauteten die Anschuldigungen meist. Jugend- und Verfassungsschutz schritten wiederholt ein, auch gegen Bushido. So mussten viele seiner Lyrics auch von Songtext-Websites genommen werden. Dabei wäre Bushido eigentlich ein gutes Beispiel dafür, dass man Gewalt verherrlichen kann, ohne sie wirklich auszuüben, denn bis zu dem unrühmlichen Vorfall in Linz war Bushido entgegen seinem Ruf als hartgesottener deutscher Gangster-Rapper unbescholten.

Doch so schön kann Knast sein: Bushidos Plattenfirma veröffentlichte sein neues Album noch am Tag des Prozesses. Der Titel lautet vollmundig: ?Staatsfeind Nr. 1?. Vielleicht lassen sich die verlorenen 20.000 ja durch diese PR-technisch äußerst günstige Verquickung wieder reinholen.
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