Charts-Stürmer aus dem Internet

Die Debüt-Alben der Arctic Monkeys und Clap Your Hands Say Yeah sind erschienen

Lange bevor die Talentsucher der Musikindustrie auf sie aufmerksam wurden, waren sie über Musikweblogs und Online-Communities längst in aller Munde. Nun kann man sich auch im Plattenladen von ihrem Talent überzeugen.

Seit vergangenen Freitag ist das Album mit dem ausladenden Titel "Whatever People Say I Am, That`s What I`m Not" der Arctic Monkeys in Deutschland in den Plattenläden und Downloadshops erhältlich. In England, der Heimat der Indie-Band, wartet die CD seit Montag auf Käufer. Die vergangene Woche veröffentlichte zweite Single des Quartetts aus Sheffield "When the sun goes down" belegt bereits den Spitzenplatz der UK-Singles-Charts. Ihr Debütalbum wird wohl nächste Woche die Album-Hitliste toppen. Das britische Musikmagazin "NME" rechnet mit 200.000 verkauften Alben in der ersten Woche. Seit dem Oasis-Debüt "Definetely Maybe" im Jahr 1994, schreibt das Blatt, hätte es keine vergleichbare Begeisterung für eine Newcomerband gegeben.

Begonnen hat die Karriere der Arctic Monkeys im Internet. In Online-Tauschbörsen und Musikweblogs kursierende Songs sorgten für erste Begeisterungsstürme und ausverkaufte Konzerte. Die Talentsucher der Musikindustrie wurden erst später auf die Shooting-Stars aus dem Netz aufmerksam, ein Plattenvertrag war nur noch eine Frage der Zeit.

Lange keinen Plattenvertrag hatte hingegen das im New Yorker Stadtteil Brooklyn beheimatete Indie-Quintett Clap Your Hands Say Yeah. Über Postversand haben sie dennoch fast 30.000 Stück ihres gleichnamigen Debüt-Albums, das den kalten New Wave mit folkloristischen Klängen verbindet, verkauft. Auch sie verdanken ihren Aufstieg der Mundpropaganda im Internet. Nachdem erste Songs der US-Band in einem Musikweblog auftauchten, wurde das US-Indie-Leitmedium Pitchfork auf Clap Your Hands Say Yeah aufmerksam und brachte die Hype-Maschinere so richtig ins Rollen.

Ausverkaufte Konzerte in den USA und Großbritannien und Vertriebsvereinbarungen mit namhaften Labels in Europa und den USA folgten. Zwar ist das Presseecho auf das Debüt der Talking Heads-Epigonen in Europa bei weitem nicht so euphorisch wie in den USA, für mehr als einen Achtungserfolg in den Plattenläden dürfte es dennoch reichen.

Beide Bands wurden auch frühzeitig im Tonspion vorgestellt, denn im Unterschied zu etablierten Bands haben neue Talente kein Problem damit, einzelne Songs auch kostenlos im Netz zu veröffentlichen. Schließlich verdanken sie dieser Strategie ihren Durchbruch. Schade nur, dass es dann bei der zweiten Platte mit der Großzügigkeit spätestens vorbei ist, wie man bei Bands wie Franz Ferdinand, The Strokes oder auch den heimischen Kettcar oder Tomte mit erleben muss. Denn Erfolg geht meistens auch leider einher mit der Erkenntnis, dass man nicht verschenken braucht, was eh jeder haben will. Und mit einer gewissen, professionellen Humorlosigkeit in Gelddingen.

Auch wenn beide Bands am Ende doch noch auf die traditionellen Vertriebskanäle der Musikindustrie zurückgreifen, so sind sie doch Vorboten eines tiefgreifenden Wandels im Musikgeschäft: Die Fans sind drauf und dran, sich ihre Stars selbst zu machen. (dax/ur)

Das Album der Arctic Monkeys gibt es jetzt auch als kompletten MP3 Download im Tonspion MP3 Shop.

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