Creative Commons in der Praxis

The Wired CD remixed
Einfach mal die Beastie Boys, David Byrne oder The Rapture remixen? Kein Problem, dank der Creative-Commons-Lizenz.




“16 great songs under a radical new copyright license”. So titelte das amerikanische US-Magazin Wired angesichts einer CD, die dem Magazin in seiner Ausgabe vom November 2004 beilag. Auf dieser Compilation waren u.a. Beiträge von Künstlern wie den Beastie Boys, David Byrne, The Rapture, Thievery Corporation und Chuck D vertreten (wir berichteten). Das Besondere daran: statt auf das typische „all rights reserved“ beschränkte sich der rechtliche Hinweis auf der CD lediglich auf den Vermerk „some rights reserved“. Die CD setzte damit das in die Praxis um, wofür Creative Commons mit seinen Lizenzierungsmodellen die theoretische Grundlage schafft. Creative Commons, allen voran der amerikanische Rechtsprofessor Lawrence Lessig, steht für die Idee, Inhalte urheberrechtlich schützen zu lassen, ohne dabei die Anwender unnötig restriktiv zu reglementieren. Das soll aber keineswegs mit der Aufgabe des Schutzes von urheberrechtlichem Eigentum einhergehen. Im Gegenteil: langfristig soll Creative Commons mehr Selbstbestimmung der Künstler ermöglichen. Denn sie selbst sollen – je nach Lizenzvariante von Creative Commons – festlegen können, was mit ihren Werken geschehen darf und was nicht. So auch im Falle der Wired CD. Während die Beastie Boys beispielsweise für ihren Beitrag die Creative-Commons-Lizenz „Noncommercial Sampling Plus“ wählten, die das Veröffentlichen und Bearbeiten des Tracks nur unter nicht-kommerziellen Voraussetzungen gestattet, geht David Byrne sogar noch einen Schritt weiter: seinen Song darf man durch die entsprechende Lizenzierung samplen und anschließend mit dem Ergebnis sogar noch Geld verdienen – lediglich eine Nutzung im Zusammenhang mit Werbung ist untersagt. Es ist klar, dass sich Remixer bei einem solch freien Umgang mit kreativem Output nicht lange bitten lassen. Das war auch den Initiatoren von Creative Commons bewusst, die der Veröffentlichung der „Wired CD“ sogleich einen Remixcontest folgen ließen; das war ja schließlich auch Sinn der Veröffentlichung: Samplen und Remixen erwünscht. Die interessantesten Ergebnisse gibt es nun online zum Download – mit exakten Angaben zur jeweiligen Lizenzierungsvariante, den genutzten Samples und Kommentaren zum Track. Preisgeld gab es natürlich nicht. Stattdessen werden die Tracks der Gewinner demnächst ebenfalls auf einer CD veröffentlicht. Trug die originale „Wired CD“ noch den Untertitel „Rip. Mix. Sample. Mash. Share.“ wird die CD zum Remixcontest konsequenterweise unter dem Titel „The Wired CD - Ripped. Mixed. Sampled. Mashed. Shared.“ veröffentlicht. Unter Creative Commons versteht sich.

Jan Schimmang / tonspion.de

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