Creative Commons Worldwide

Internationale Koordination dank iCommons
So viel Freiheit wie möglich, so wenig Recht wie nötig: dafür steht die Creative Commons Lizenz. iCommons sorgt dafür, dass die Lizenz nicht nur in den USA funktioniert, sondern z.B. auch in Deutschland. Jan Schimmang hat sich dazu im Auftrag von Tonspion genauer informiert.

?Creative Commons ist eine Lizenz, die von jedem genutzt werden kann, die Verwendung kann vielfältig sein. Die Grundidee war in erster Linie, dass dem Rechteinhaber die Freiheit gegeben werden soll, selbst zu entscheiden, in welcher Form er seine Werke veröffentlicht bzw. welche Rechte er anderen im Hinblick auf die Nutzung seiner Werke einräumen möchte. Warum auf ´all rights reserved´ beharren, wenn ´some rights reserved´ vielmehr dem Anliegen des Künstlers entspricht? Er kann entscheiden, auf welche Rechte er besteht und welche er freigeben möchte. Und zwar ohne die Unterstützung von Anwälten, was ja für den Rechteinhaber auch von finanziellem Vorteil ist. Dabei gewährt die Creative Commons Lizenz aber gegebenenfalls auch den unbedingt notwendigen Schutz, Inhalte vor Missbrauch zu bewahren ? also eine Art Notbremse?, erklärt Christiane Asschenfeldt, Leiterin der International Commons (iCommons).

Doch ganz einfach ist das noch nicht einmal in der Theorie. ?Urheberrecht ist territorial. Vor deutschen Gerichten hat eine Lizenz eben nur dann bestand, wenn sie im Einklang mit der jeweils geltenden Rechtsordnung steht?, so die Leiterin der iCommons weiter. Das heißt also, dass die ursprünglich amerikanische Lizenzversion vor der Anwendung mit dem jeweiligen Rechtssystem kompatibel gemacht werden muss. Und genau diese Arbeit haben Christiane Asschenfeldt und ihre Kollegen für die deutschsprachige Creative Commons Lizenz geleistet, die im Juni 2004 in Berlin vorgestellt wurde.

Ein Gerichtsverfahren, bei dem die Lizenz eine Rolle gespielt hat, gab es bisher noch nicht. Ein Richterspruch wäre sicherlich für die tatsächliche Bedeutung von Creative Commons maßgeblich. Allerdings definiert sich Creative Commons keineswegs nur über den juristischen Gehalt, sondern vielmehr über Fragen zu dem grundsätzlichen Umgang mit (digitaler) Kultur. Christiane Asschenfeld dazu: ?Creative Commens respektiert das Coypright. Das geistige Eigentum ist ein hohes Rechtsgut und bedarf zweifelsohne eines Schutzes. Aber Kreativität lebt von der Weiterentwicklung und Bearbeitung. Gerade auch im Zuge der Digitalisierung ist es möglich, Kreativität und urheberrechtlichen Schutz auf einen Nenner zu bringen. Und das ist auch im Interesse vieler Urheber bzw. Rechteinhaber.?

Zur Zeit wird auch in vielen anderen Ländern an einer Creative Commons Lizenz für das nationale Rechtssystem gearbeitet. Bisher gibt es die Lizenz u.a. bereits für Japan, Australien, Brasilen und England. Koordiniert wird die internationale Zusammenarbeit vom Büro der iCommons mit Hauptsitz in Berlin.

?Jetzt heißt es für uns zunächst, die Creative Commons Lizenzen weltweit zu etablieren und dabei eventuelle Probleme mit dem jeweiligen nationalen Rechtssystem zu egalisieren. Ziel ist es, die Lizenzen aus aller Welt schließlich auf einen gemeinsamen Nenner zu bringen. Das ist die Aufgabe unseres Teams von iCommons: die einzelnen Länder in ihrer Arbeit für Creative Commons zu unterstützen. Und dabei wohlgemerkt nicht zu delegieren, sondern zu vermitteln und zu koordinieren«, formuliert Christiane Asschenfeldt die nächsten Ziele der iCommons.

Bleibt abzuwarten, ob sich die Creative Commons Lizenz letztendlich im weltweiten Anwendertest ? und gegebenenfalls auch vor Gericht - durchsetzen kann. Die iCommons möchten jedenfalls dafür sorgen, dass die Vorteile der globalen Vernetzung in einer digitalen Welt nicht durch nationale Schranken der jeweiligen Rechtssysteme beeinträchtigt werden. Die Idee ist also gut, und ob die Welt bereit ist, wird sich zeigen. (js)

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