Dänische Tauschbörsen-Nutzer sollen Strafen zahlen

Mit einer ungewöhnlichen Aktion ist ein dänischer Urheber-Verband jetzt gegen Tauschbörsen-Nutzer vorgegangen: Sie bekamen per Post eine Rechnung für die von ihnen zum Tausch angebotenen Dateien zugeschickt. Bei Nichtbezahlen wurde ihnen mit einer Anzeige gedroht.

Drei Euro für jede über eine Tauschbörse angebotene MP3-Datei, 9 für ein ganzes Album, 29 für einen Spielfilm und 42 Euro für ein Computerspiel - das sind die Strafen, die jetzt auf dänische Tauschbörsennutzer zukommen sollen. Zahlen sollen sie 150 Nutzer der P2P-Programme Edonkey 2000 und Kazaa, denen der dänische Urheberverband Antipiratgruppen (APG) in den letzten Monaten im Netz auf die Schliche gekommen ist.

Das ungewöhnliche daran: Festgelegt wurden diese Beträge nicht etwa von einem Gericht, sondern ganz eigenmächtig von der APG, die in der letzten Woche Rechnungen über insgesamt 134 000 Euro verschickte. Wer nicht bezahlt, dem droht eine Anzeige. Wer dagegen sein Geld bis zum ersten Dezember überweist, dem wird ein Rabatt von 50 Prozent eingeräumt. APG-Anwalt Morten Wind Lindegaard erklärte auf Anfrage des Tonspions, viele der Beschuldigten hätten bereits bezahlt.

Die APG hat die Namen der betreffenden Nutzer durch einen Gerichtsbeschluss von den betreffenden Internet-Serviceberteibern bekommen. Vorgeworfen wird ihnen die Distribution urheberrechtlich geschützter Materialien, nicht etwa der Download. Man habe die Vorwürfe durch die Analyse der zum Tausch angebotenen Daten geprüft, so Lindegaard: ?Wir kombinieren die Anzahl der Dateien, die Dateinamen und ihre Beziehungen zu anderen Materialien. Zum Beispiel [hatten Leute] das Cover und die Rückseite einer CD als JPEGs, und alle Songs mit korrekten Namen als MP3s.?

Die APG besteht nach Lindegaards Aussagen aus dem dänischen Phonoverband sowie Interesenverbänden der Film- und Videospiele-Industrie. Zu der Frage, wie das durch die Aktion eingenommene Geld verwendet wird, machte er keine Angaben. Die APG hat sich in Dänemark bereits mehrfach durch rigorose Aktionen gegen private Raubkopierer hervorgetan. So kam es im September auf Betreiben der Gruppe zu einer Hausdurchsuchung bei einem Betreiber eines Edonkey-Servers. Vor rund einem Jahr hatte die Gruppe für die Durchsuchung und Auflösung einer LAN-Party wegen des Vorwurfs der Software-Piraterie gesorgt.

Die Aktion der APG ist nicht der einzige Vorstoß der Musikindustrie, der an den Gerichten vorbei direkt auf die Nutzer zielt. In den USA befindet sich die RIAA derzeit in einem Rechtsstreit mit dem Internet-Provider Verizon. Der Verband wollte Verizon dazu bewegen, die Namen von Tauschbörsen-Nutzern auch ohne Gerichtsbeschluss herauszugeben, um ihnen dann individuelle Warnungen schicken zu können. (jr)

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