Das fängt ja gut an...!

Der Tonspion Wochenrückblick
Die deutsche Musikindustrie will monatlich 1000 Filesharern an den Kragen, Indielabels stellen Tonträgervertrieb ein und der Computer ist jetzt ein "neuartiges Rundfunkgerät" und damit GEZ-pflichtig.

Die deutsche Musikindustrie macht nun auch international von sich reden. Zwar nicht unbedingt mit international erfolgreichen Künstlern, dafür aber mit mit einer Klagenflut gegen Benutzer von Tauschbörsen. Genau 1000 Klagen im Monat will die deutsche IFPI im Jahr 2007 einreichen. Wenn man bedenkt, dass nach einer neuen Studie nachts rund 70% des gesamten Internet-Traffics über Tauschbörsen läuft, fragt man sich, wie lange die IFPI weiterhin gegen Windmühlen kämpfen will.

Viel einfacher hat`s da die GEZ. Denn sie darf jetzt auch Leute schröpfen, die sich bisher hartnäckig weigerten, sich ein TV-Gerät oder ein Radio anzuschaffen, um mit den Programmen der öffentlich-rechtlichen gesegnet zu werden. Denn seit 1.1.2007 ist auch jeder Computer ein "neuartiges Rundfunkgerät" und muss somit bei der GEZ angemeldet werden, wenn nicht bereits ein Radio oder Fernseher im Haushalt angemeldet sind. Es ist übrigens ganz egal, ob man diesen tatsächlich dazu nutzt, um die öffentlich-rechtliche "Grundversorgung" von "Leute heute" bis "Sturm der Liebe" zu genießen.

Von einer derart staatlich verordneten Geschäftspolitik kann so manches Indielabel nur träumen. Im Jahr 2007 stellen einige Label die Tonträgerproduktion mangels Nachfrage und aufgrund enormer Kosten durch Rückläufe komplett ein und setzen stattdessen auf Downloadvertrieb. So zum Beispiel das New Yorker Label Ropeadope oder die Berliner kitty-yo. Und auch das Hamburger Kultlabel Lado steht vor dem Totalausverkauf und bietet derzeit sämtliche Platten mit einem Rabatt von 50% an. 2007 wird wohl als Anfang vom Ende des Tonträgervertriebs in die Geschichte eingehen.

Denn im Jahr 2007 will eines der großen Major-Labels sich angeblich auf ein bisher unvorstellbares Projekt einlassen und große Teile seines Katalogs im DRM-freien MP3-Format lizenzieren. Experten tippen auf die EMI, da sie als vergleichsweise experimentierfreudig gilt und außerdem zahlreiche Indielabels vertreibt. Es bleibt spannend im Jahr 2007 und wir bleiben dran. (ur)

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