Das globale Tauschbörsen-Kartell

Eigentlich wollten die Anwälte der Musikindustrie die Tauschbörsen KaZaA und Grokster möglichst schnell in Grund und Boden klagen. Doch deren Programmierer und Eigentümer verschieben ihr Tauschbörsen-Imperium geschickt über Ländergrenzen.

Drei Millionen Nutzer loggen sich durchschnittlich rund um die Uhr bei KaZaA und dem Partner Grokster ein, um MP3s, Filme und Software zu tauschen. Die Musikindustrie würde dem nur zu gern einen Riegel vorschieben. Allein, das ist nicht ganz so einfach. Zwar läuft seit Monaten in den USA ein Verfahren gegen die Tauschbörsen. Doch die stören sich daran wenig. Wen interessieren schon die USA?

KaZaA auf jeden Fall nicht. Das Tausch-Programm wird von der Firma Sharman Networks vertrieben, die ihren Firmensitz auf der Pazifik-Insel Vanuatu hat. Den Geschäftsbetrieb regeln Büros in Australien und Europa, für Werbekunden sorgt eine Partnerschaft mit einem US-Unternehmen, und für die nötige Aufmerksamkeit im globalen Medienzirkus sorgt ein Lobbyist in Washington. Das Geflecht um Grokster ist schon ein bisschen einfacher zu durchschauen. Angemeldet ist die Firma auf einer Südseeinsel, gehören soll sie jedoch einer kalifornischen Familie. Die Domain Grokster.com ist wiederum auf eine Adresse in Florida eingetragen.

Doch das ist längst noch nicht alles. Beide Firmen besitzen keinen Zugriff auf den Source-Code ihrer Programme. Die Rechte daran halten weiter die beiden niederländischen KaZaA-Gründer Niklas Zennstrom und Janis Friis. Deren alte Firma Fasttrack ist angeblich Pleite, auf der Website tut sich schon lange nichts mehr. Doch die beiden haben mittlerweile mindestens zwei weitere Firmen gegründet, die sich mit der Lizenzierung von Tauschbörsen-Software beschäftigt. Zudem sind beide angeblich in Europa nicht mehr auffindbar. Der Code für KaZaA und Co. soll dagegen zwischenzeitlich nach Angaben der New York Times bei Programmierern in Estland gelandet sein, die daran im Auftrag von Zennstrom und Friis arbeiten. Willkommen beim globalen Tauschbörsen-Kartell.

Um die Verwirrung komplett zu machen, tauchte in den letzten Tagen mal wieder das Gerücht auf, die israelische Tauschbörse iMesh sei seit geraumer Zeit an das Fasttrack-Netzwerk angeschlossen. Immer wenn man bei KaZaA User mit der merkwürdigen Kennung @fileshare im Nutzernamen entdecke, stecke eigentlich iMesh dahinter. Warum iMesh dann aber nicht mit einem weit größeren Nutzerstamm werben sollte, ist unklar. Aus Angst davor, in den Prozess mit einbezogen zu werden? Oder ist an dem Gerücht doch gar nichts dran? Doch wer ist dann Fileshare? Etwa ein neues Projekt von Zennstrom und Friis?

Fragen über Fragen. Den Anwälten der Musikindustrie bereiten sie in diesen Tagen zunehmend Kopfzerbrechen. Denn selbst wenn alle Betreiber ausfindig gemacht und in den USA verurteilt werden - wer sorgt dann dafür, dass sie auch in Vanuatu, Estland, den Niederlanden und Israel bestraft werden? Zwar gibt es internationale Copyright-Abkommen. Doch längst nicht alle Staaten sind ihnen beigetreten. Außerdem kennen diese Abkommen nur direkte Copyright-Vergehen - nicht jedoch die Beihilfe, die KaZaA und Co vorgeworfen wird. (jr)

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