Das Internet rettet Karrieren

Bands profitieren von den unbegrenzten Möglichkeiten online
Nach einer aktuellen Studie der englischen Marktforscher Generator wird es zwar noch mindestens 10 Jahre dauern, bis Downloads das Geschäft mit der CD abgelöst haben könnten. Dennoch verdienen sich einige Bands im Netz bereits jetzt eine goldene Nase.

Mitte der 80er Jahre waren die Progressiv-Rocker von Marillion das ganz große Ding. Jeder kannte ihre Hits ("Kayleigh") und von ihren Alben verkauften sie an die 14 Millionen Exemplare weltweit. Doch nach einer längeren Durststrecke trennte sich die Band 1995 von ihrer Plattenfirma EMI und versuchte sich seitdem gelegentlich an einem Comeback.

Jetzt schreiben die alten Herren von Marillion eine der größten Erfolgsgeschichten des jungen Mediums Internet. Über ihren Webshop hat die Band in den letzten Jahren fast 1 Mio. Euro eingespielt und konnte damit zwei Alben und eine große Tour finanzieren. Unabhängig von einer Major-Plattenfirma. "Das Internet hat uns gerettet", meint die Band-Managerin Lucy Jordache heute.

Auch die Glitterrocker von The Darkness haben über ihre Website bereits so viel Geld eingespielt, dass ihr kommendes Album bereits von den Fans komplett vorfinanziert ist.

Und selbst Labels wie der englische Indie Warp betreiben ihren gut sortierten Downloadshop mit so großem Erfolg, dass bereits wenige Tage nach der Eröffnung dickere Server her mussten, um den Ansturm der kaufwilligen Fans zu bewältigen.

Zwar sind es derzeit eher die bereits etablierten Namen, die vom Medium Internet profitieren und die sich durch den direkten Kontakt mit ihren Fans zunehmend finanzieren können, doch erste Plattenfirmen nutzen inzwischen das Internet als Erfolgsmesser für neue Acts.

Die erhalten etwa bei Universal neuerdings erstmal eine Art Online-Plattenvertrag. Im Netz werden erste Reaktionen von Internet-Surfern getestet, bevor man sich auf das Risiko eines "richtigen" Plattenvertrags mit entsprechend hohen Marketingkosten einlässt.

Ob es für Musiker aber tatsächlich Sinn macht ausgerechnet bei einem großen Label einen Vertrag zu machen, wo man gleich die lukrativen Online-Rechte beim Pförtner abgeben muss, darf wohl zumindest bezweifelt werden. Schließlich kann man im Netz mit ein bisschen Geschick auch sein eigenes Ding machen. Es lassen sich auf diese Weise vielleicht keine Megasummen erspielen, dafür bleiben die Einnahmen weitgehend bei den Musikern selbst. Und die können damit machen, was sie am besten machen können: Musik.

Sicherlich werden sich mehr und mehr Firmen auf das Geschäft mit der Online-Vermarktung von Bands spezialisieren, je mehr Erfolgsgeschichten wie die von Marillion oder The Darkness zu berichten sind. Auch relativ unbekannte Bands können sich im Kleinen ihre Fangemeinde im Netz erspielen und - möglicherweise im Austausch mit befreundeten Bands - dafür sorgen, dass die immer größer wird.

Eine Frage wird sich also zunehmend stellen: Wer braucht da eigentlich noch eine Plattenfirma?

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