Das neue MTV?

MySpace erweitert seine Angebotspalette

MySpace und kein Ende. Nachdem bekannt wurde, dass MySpace in Kürze Musik verkaufen wird, übernahm das Unternehmen von Rupert Murdoch nun auch den Klingeltongiganten Jamba und kooperiert in Kürze sogar mit Google. Was ist dran am Hype um MySpace?

Es ist hässlich, es quäkt los, sobald man es öffnet, es bietet keinerlei redaktionelle Inhalte. Trotzdem schickt sich MySpace derzeit an zum neuen MTV im Internet zu werden. Los ging alles im Jahr 2003 mit einer Community-Plattform à la Friendster, auf der Menschen ihre Profile öffentlich zur Schau stellen und sich mit anderen vernetzen konnten. Bald konnten sich auch Bands präsentieren und ihre Fans um sich scharen, die ihre Lieblingsmusiker wieder anderen Usern weiterempfehlen. So weit, so unspektakulär.

Doch schnell kamen auch Plattenfirmen auf die Idee ihre Bands ebenfalls über die beliebte Community-Plattform zu lancieren und so Werbung für neue Alben zu machen. Wie ein Virus verbreitete sich die Nachricht von der neuen Promo-Plattform bei den Plattenfirmen, inzwischen ist fast jedes Label auch bei MySpace präsent und bietet kostenlose Streams und Downloads aktueller Veröffentlichungen. Der erzkonservative Medienmogul Rupert Murdoch witterte ein großes Geschäft und kaufte die Plattform im Jahr 2005 für sagenhafte 649 Millionen US-Dollar.

Nun schickt MySpace sich an, die Musikbranche komplett durcheinanderzuwirbeln, seit bekannt wurde, dass ab Herbst 2006 Musikdownloads nicht mehr nur verschenkt, sondern verkauft werden können. Die Labels selbst dürfen den Preis ihrer Musik bestimmen und den Shop bestücken. Zunächst sollen diese Downloads ohne Kopierschutz-Einschränkungen angeboten werden. Für viele Independent-Labels bedeutet das einen Hoffnungsschimmer, versinkt der CD-Markt doch immer mehr in Richtung Bedeutungslosigkeit. Schließlich kann MySpace inzwischen auf über 100 Millionen Mitglieder verweisen, die das Angebot regelmäßig nutzen. MySpace hat erkannt, dass Vernetzung das wesentliche Merkmal des Internet ist und zumindest im Netz ist man den altmodischen "Sendern", wie MTV inzwischen weit überlegen. Man nutzt gleich 100 Millionen "Sender", um Musik zu verbreiten.

Doch schon jetzt wird fieberhaft an neuen Geschäftsfeldern und internationalen Ablegern gearbeitet. So bietet MySpace inzwischen Videos, Horoskope, Verzeichnisse für Schulen, als nächstes folgen Klingeltöne (Jamba wurde soeben von Herrn Murdoch erworben). Und wenn sich dann herausstellt, dass mit Musikdownloads nicht das ganz große Geld zu verdienen ist, werden wohl schon bald Hollywood-Filme, Reisen, Datingshows oder Spiele folgen. Mit anderen Worten: es ist ein Monster!

Es gibt viele Alternativen zu MySpace. Im Grunde ist MySpace nichts anderes als ein Internet im Kleinformat. Es wird früher oder später konsequent den gleichen Weg einschlagen wie MTV, den Weg des Geldes. Doch die Vielfalt und die Kultur wächst nur im "richtigen" Internet, das keinem gehört und das niemanden ausbeutet. Bei allem Hype um MySpace: vergesst nicht die unzähligen kleinen, rührigen und kompetenten Websites, die links und rechts von MySpace blühen und gedeihen und gemeinsam viel mehr können, als nur das. (ur)

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