Das Online-Musikgeschäft gerät ins Stocken

Ernüchterung macht sich breit

Seit Monaten waren aus der Musikbranche nur noch Jubelmeldungen zu hören. Der digitale Online-Musikvertrieb fange langsam die Verluste der Tonträgerbranche auf, war der Grundtenor. Doch nun gerät der Musikverkauf im Internet sowohl in den USA als auch in Europa bereits ins Stocken.

Nicht nur die deutsche Musikwirtschaft zeigt sich enttäuscht über die Entwicklung des Online-Musikvertriebs (wir berichteten). Auch in den USA macht sich Ernüchterung breit, wie Bloomberg berichtet. Seit Mai hat sich die Zahl der wöchentlich verkauften Tracks nur geringfügig von 6,6 Millionen auf 6,7 Millionen Songs gesteigert.

Dafür mag es zahlreiche Gründe geben. Vor allem ist nicht das eingetreten, was viele Strategen erhofft hatten. Dass die Menschen, wie schon zur Einführung der CD, massenhaft Musik kaufen, die sie schon auf Tonträgern besitzen. Denn jeder weiß inzwischen, wie man CDs rippt, Tauschbörsen nutzt, um Lücken im Archiv zu füllen oder sich mal eben die mobile Festplatte von Freunden ausborgt, um komplette Musiksammlungen zu überspielen.
Da scheinen kopiergeschützte Downloads für 1 Euro pro Stück einfach nicht attraktiv genug zu sein, um für den erhofften Boom zu sorgen.

Zudem scheinen die Verkaufdownloads auch das Geschäft mit den Tonträgern zu kannibalisieren. Statt eine komplette CD mit allen Songs zu kaufen, beschränken sich viele Radio- und Chartshörer nur noch einzelne Songs aus den Alben und verzichten auf B-Seiten oder sonstiges vermeintliches "Füllmaterial".

Zwar werden die aktuellen Hits aus den Charts inzwischen massenhaft in den diversen Online-Stores verkauft, doch diese Gelegenheitskäufe scheinen nun insgesamt doch nicht so viel zu bringen, dass man die dramatischen Umsatzeinbrüche der letzten Jahre auffangen könnte. (ur)

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