Das Rechtsverständnis in einer digitalen Welt

„Der Sinn von Gesetzen muss immer auch von den Nutzern akzeptiert werden“

Denn sie wissen nicht, was sie tun. Oder doch? Ganz leicht ist es jedenfalls nicht, als Nutzer mit den komplizierten Regelungen des Urheberrechts vertraut zu werden. Das Portal iRights.info möchte praxisorientiert informieren, ohne didaktisch zu belehren.

Die Musikindustrie verklagt seit geraumer Zeit systematisch Tauschbörsennutzer. Bisher allerdings nur diejenigen, die für den Upload von urheberrechtlich geschützten Dateien auf P2P-Plattformen verantwortlich sind. ?Denn aus juristischen Gründen sind nach jetziger Rechtssprechung nur die Tauschbörsennutzer belangt worden, die Dateien dort angeboten haben. Bisher ist mir nicht bekannt, dass jemand verurteilt wurde, weil er etwas herunter geladen hat ? das ist alles sehr kompliziert?, berichtet Matthias Spielkamp, einer der Redakteure von iRights.info. So kompliziert, dass man sich fragt, ob es für den Nutzer überhaupt noch möglich ist, ein Unrechtsbewusstsein zu entwickeln. Denn die so genannten Aufklärungskampagnen der Industrie bewirken das Gegenteil. ?Kampagnen wie ´Hart aber gerecht´ vereinfachen sehr stark und sind dabei sachlich unrichtig?, so Spielkamp. Dem möchte das Informationsportal entgegentreten. ?Aber wir sind zur Neutralität verpflichtet, für uns ist es wichtig, die Interessen aus unterschiedlichen Perspektiven zu beleuchten.?

In der ganzen Diskussion über Recht und Unrecht darf die Realität nicht aus den Augen verloren werden. Denn so schlecht informiert sind die Nutzer keineswegs. Das meint auch Matthias Spielkamp: ?Studien besagen, dass ein Unrechtsbewusstsein durchaus vorhanden ist. Tauschbörsennutzer wissen zum Großteil, was sie tun. Sie nutzen Tauschbörsen ganz gezielt. Und das ist der spannende Aspekt. Der Sinn von Gesetzen muss immer auch von den Nutzern akzeptiert werden.?

Die Arbeit von iRights.info hat allerdings nur bedingt einen soziologisch-juristischen Ansatz, sondern orientiert sich an dem praktischen Nutzen für die Anwender. "Wir möchten vor allem informieren und aufklären über den Umgang mit Urheberrecht im Netz. Und dass die, die unsere Infos lesen, dann ein größeres Rechtsbewusstsein entwickeln, ist wahrscheinlich und auch erwünscht." Matthias Spielkamp ist sich dabei bewusst, dass iRights.info keine missionarische Funktion hat. ?Realistisch müssen wir feststellen, dass unsere User nur den Teil von Internetnutzern repräsentiert, der sich gedanklich bereits schon mal mit dem Themenkomplex Urheberrecht im Netz auseinander gesetzt hat oder zumindest bereit ist, sich bestimmte Fragen zu stellen.?

Und diese Fragen werden qualifiziert und verständlich auf dem iRights-Portal beantwortet. Da ist es dann eigentlich auch egal, wie ausgeprägt nun das Rechtsverständnis der Besucher ist: denn zu informieren ist iRights.info wichtiger als zu moralisieren. (js)

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