Das Thema des Sommers: Pauschalabgaben

Während die deutsche Musikindustrie ihre ersten juristischen Erfolge gegen Tauschbörsennutzer verzeichnen kann, entwickelt sich ein Alternativvorschlag zu den Klagekeulen zum heißen Thema dieses Sommers. Die Idee: P2P-Nutzer sollten eine monatliche Pauschale zahlen und dafür ganz legal tauschen dürfen.

Pauschale Urheberrechtsabgaben. Das klingt erst einmal trocken und nicht sehr nach Rock `n Roll, wie ein Zuhörer der letzte Woche in Wien stattgefundenen Free Bitflows-Konferenz so treffend zu bemerken wusste. Trotzdem scheint diese Idee hier zu Lande in diesen Tagen immer mehr Anhänger zu finden und langsam auch in den Mainstream vorzudringen ? jedenfalls, wenn man verschiedenen Branchendiskussionen der letzten Wochen trauen darf.

Den Anfang machte der Musikindustrie-Kongress Forward2Business vor rund zwei Wochen in Halle. Dort durfte Oliver Moldenhauer als Vertreter der globalisierungskritischen Gruppe Attac die Idee einmal genauer vor Brancheninsidern ausbreiten. Moldenhauer handelte sich damit heftigste Kritik von einem Vertreter der deutschen IFPI ein, und auch von der Telekom gab es nur Warnungen vor derartigen Ideen. Moldenhauer wusste jedoch zu berichten, dass es von Seiten kleiner Plattenfirmen durchaus Interesse an Gesprächen zu derartigen Vorschlägen gäbe.

Das Interesse überwog denn auch auf anderen Veranstaltungen, auf denen derartige pauschale Urheberrechtsabgaben zur Sprache kamen. Deutlichen Zuspruch gab es erwartungsgemäß bei einer vom Berliner Netzwerk Neue Medien organisierten Diskussionsrunde. Detaillierte Publikumsfragen zu Einzelaspekten der Umsetzung gab es während einer interdisziplinären Vorlesung der Universität Leipzig zur Zukunft der Musikindustrie hören. Optimusmus war schließlich zu spüren, als in Wien Wendy Seltzer von der Electronic Frontier Foundation das Konzept ihrer Organisation für freiwillige kollektive Online-Lizenzen vorstellte.

Dort zeigte sich dann auch, dass solche Ideen nicht nur bei Filesharing-Enthusiasten ankommen. So erklärte Karsten Kinast von der örtlichen GEMA-Schwester Austomechana, seine Organisation habe zu diesem Thema keine offizielle Position. Diskussionen wolle man sich aber ausdrücklich nicht verschließen. Wohlwollende Diskussionsbereitschaft verkündete schließlich auch Kristin Thomson von der Future of Music Coalition. Der US-Musiker-Think Tank will in den nächsten Monaten verschiedene Pauschalabgaben-Modelle vorstellen und damit die Disskussion solcher Ideen in Musiker-Kreisen ausbauen. (jr)

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