Dave Stewart gründet Artist Network

Die Schere zwischen der Musikindustrie und ihren Künstlern geht im digitalen Zeitalter offenbar immer weiter auseinander. Während Nachwuchsföderung eigentlich nicht mehr betrieben wird, stürzen sich die großen Labels auf leichtverdauliche Massenware und verbrennen diese in der Geldmaschine. Doch jetzt schlagen die Künstler zurück.

Nicht nur die restriktiven Maßnahmen im Umgang mit dem Internet als neuer Distributionskanal werfen ein schlechtes Licht auf die aktuelle Situation des Musikbusiness. Auch die Konzentration auf Wegwerfmusik, die man schnell übers TV in die CD Player der mehrheitlich musikalisch unbedarften Bevölkerung pushen will, ist vielen Musikern längst mehr als ein Dorn im Auge.

Vor allem aber die Unsummen, die die Plattenindustrie für die Erhaltung ihrer schwerfälligen Apparate einbehält, Geld, von dem viele Musiker im Laufe ihrer Karriere bis auf die Spesen nie etwas zu sehen bekommen, ist ein Hauptkritikpunkt, der inzwischen auch bekannte Altstars auf die Barrikaden treibt.

Während Don Henley in den USA die Recording Artist Coalition gegründet hat, um - ähnlich einer Gewerkschaft - auch in der Politik eine Stimme zu bekommen, geht Ex-Eurythmic Dave Stewart jetzt noch einen Schritt weiter. Er gründete gleich ein eigenes Medienunternehmen unter dem Namen "Artist Network". Dort sollen Künstler zukünftig weitgehend in Eigenregie ihre Musik veröffentlichen können, ohne dass ihnen von Plattenmanagern reingeredet wird.

"Sie wissen genau, wie man eine Sache vermarktet, wie McDonald`s mit ihren Burgern - eine Menge Künstler da draußen passen aber nicht in die Schiene", so Stewart zur BBC.

Aber nicht nur Musik, auch Filme soll es aus dem Hause Artist Network geben, das damit auf dem besten Wege ist eine Art alternativer Medienkonzern zu werden.

Der Grundstein ist gelegt. Rund 10 Mio. Dollar hat Multimillionär Stewart von privaten Investoren zusammengetragen, wie Spiegel Online berichtet. Nochmal soviel soll im kommenden Jahr zusammenkommen. Dave Stewart geht davon aus, dass sein Unternehmen in fünf Jahren schon über 150 Millionen Dollar wert sein wird.

Ein erster Indikator dafür, wie entspannt es beim Artist Network auch hinsichtlich des Internet zugehen soll, sind auch sechs bisher unveröffentlichte Tracks, die der Produzent und Musiker Stewart auf seiner Homepage zum kostenlosen Download bereitstellt.

Erstes Label-Signing ist übrigens ein alter Bekannter: der Reaggae Haudegen Jimmy Cliff, den Stewart gleich selbst produziert. Man kann davon ausgehen, dass weitere unzufriedene Künstler bereits vor dem siebenstöckigen Bürokomplex in Londons Stadtteil Covent Garden ganz britisch Schlange stehen und demnächst dem Artist Network beitreten. Wir sind gespannt.
(ur)

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