De:Bug wird eingestellt

Das Magazin für elektronische Lebensaspekte gibt nach sechzehn Jahren auf

Seit 1997 erscheint das "Magazin für elektronische Lebensaspekte" und berichtete über elekronische Musik und die digitale Revolution. Nun ist das Ende der Fahnenstange erreicht: die nächste Ausgabe wird die letzte sein.

Die Autoren der De:Bug wussten nicht alles besser, aber vieles früher. Dem MP3 Format sagten sie "die Sprengkraft einer Atombombe" voraus, lange bevor es die Verantwortlichen in der Musikindustrie kapierten. Nun ist die De:Bug selbst Opfer der Spätfolgen dieser atomaren Explosion geworden und muss mit der nächsten Ausgabe aufgeben.

"Wir sind glücklich und auch stolz, das sechzehn Jahre lang durchgehalten zu haben" schreibt Chefredakteur Sascha "Bleed" Kösch auf der De:Bug Homepage. "Obwohl es fast immer knapp, oft genug kritisch, nicht selten nur mit Ach und Krach und immer in zweifelhafter Selbstausbeutung ging. Wir sind glücklich, eine Stimme gewesen zu sein, die vielen etwas bedeutet hat."

Nun ist es also vorbei mit der Selbstbeherrschung, die sich die De:Bug als oberstes Prinzip selbst auferlegte. Während andere mit der Entwicklung haderten, schaute die De:Bug immer nur neugierig nach vorne und empfing die digitale Revolution mit offenen Armen, obwohl das Blatt vor allem von Vinyl-Liebhabern und Zeitschriften-Junkies gelesen wurde.

Insgesamt 50 000 Reviews veröffentlichte die Redaktion in dieser Zeit, ein Großteil davon ging auf das Konto des vermutlich "hardest working man in music journalism": Sascha Kösch. Allein diese Reviews kleiner feiner Vinyl-Releases wird fehlen. Wer soll das alles hören und besprechen? Ganz zu schweigen von den ganzen Widgets und Gadgets, denen sich die Geeks der De:Bug leidenschaftlich gewidmet haben.

Wäre es ein englischsprachiges Magazin, hätte die De:Bug wohl längst einen Kultstatus, doch im vergleichsweise kleinen Deutschland ticken die Uhren anders, es gibt immer weniger Platz für die Nische, während die großen internationalen "Services" immer mehr Oberwasser gewinnen und den kleinen redaktionellen Betrieben die lebensnotwendigen Werbeeinnahmen abgraben. Insofern könnten bald noch weitere lieb gewonnene Institutionen verschwinden.

Die De:Bug sucht nun einen Käufer und lässt einen kleinen Hoffnungsschimmer, dass es doch noch irgendwie weitergeht, zumindest online. Doch eines ist sicher: nichts bleibt wie es war. Und dessen sind sich die De:Bug-Macher vollkommen bewusst: "De:Bug wollte immer alles vereinen: Musik, Technik, Netz, Selbstbeherrschung. Wir wollten die Schnittstelle zum Glück sein. Das Glück aber liegt am Ende wohl nicht unbedingt zwischen gedruckten Seiten."

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