Der Klingelton als Protest-Song

Das Comeback des politischen Liedgutes findet am Handy statt.
Hierzulande gelten Klingeltöne als Teenager-Phänomen und öffentliches Ärgernis. In den USA und auf Philippinen entdecken politische Aktivisten den Klingelton als Mittel zum politischen Protest.

US-Präsident George W. Bush trat einmal mehr ins Fettnäpfchen. Kurz bevor der Chef der US-Katastrophenschutzbehörde FEMA, Michael Brown, wegen seines Versagens bei der Hilfe für die Opfer des Hurricans "Katrina" im September dieses Jahres zurücktreten musste, war Bush voll des Lobes für den von den Auswirkungen der Naturkatastrophe völlig überforderten Beamten: "Brownie, you are doing a heck of a job", ließ der Präsident den obersten Katastrophenschützer via Radio wissen. Den US-Web-Designer Eric Gundersen brachte das peinliche Statement auf eine Idee. Er unterlegte die Aufnahme mit einem Folk-Song und bot ihn im Netz als Klingelton zum Download an. Nun erklingt das Sound-Schnipsel auf tausenden Mobiltelefonen quer durch die USA. Eine Bewegung war geboren.

Politische Aktivisten arbeiten bereits an einem Vertriebssystem für die klingenden politischen Botschaften am Handy. Über die Webseite "Riot Ton.es" sollen Klingeltöne künftig nicht nur selbst gebastelt, sondern auch ausgetauscht werden können. Auch für engagierte Musiker tut sich damit ein neues Betätigungsfeld auf. Diese könnten von ihnen unterstützten Initiativen und Gruppen 30 Sekunden lange Musik-Clips überlassen und so etwas mehr als nur ihr Image für die gute Sache zur Verfügung stellen, schlägt Gundersen vor.

Begonnen hat der Trend zum politischen Klingelton auf den Philippinen. Nachdem die öffentliche Ausstrahlung eines Tonbandmitschnittes, der ein anzügliches Gespräch der philippinischen Präsidentin Gloria Macapagal Arroyo mit einem Beamten der Wahlkommission dokumentierte, von der Regierung untersagt wurde, verbreiteten sich die inkriminierenden Aussagen wie ein Lauffeuer in Form von Klingeltönen. "Klingeltöne", meint Gundersen gegenüber dem US-Online-Medium "CNet", "könnten schon bald den Button oder das T-Shirt als Trägermedium von politischen Botschaften ablösen." (dax)

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