Der teure Charme der Anarchie

Die Werbung entdeckt die Sex Pistols
Die britischen Punk-Pioniere haben ihren Back-Katalog verkauft. Die Musik von Johnny Rotten & Co. soll künftig dabei mithelfen, Luxusmarken ein rebellisches Image zu verpassen.

Rund zwei Millionen Euro pro Jahr will der Musikverlag Universal Music Publishing, der vor Kurzem die Rechte am Katalog erworben hatte, mit den Songs der Pistols erlösen. Ihr ein Album umfassendes Oeuvre wollen die einstigen Punk-Rabauken jedoch nicht jedem zur Verfügung stellen. Bevorzugt werden Hersteller von MP3-Playern, Mobiltelefonen, Luxus-Autos und Sportartikel. Die Werbespots sollten sich gegen das Establishment richten und den Punk-Idealen verpflichtet sein, heißt es in Medienberichten.

Inwieweit der erste Vertragspartner, das britische Kaufhaus Harvey Nichols, diese Bedingungen erfüllt, bleibt unklar. Der vor allem von wohlhabenden britischen Hausfrauen frequentierte Gemischtwarenhändler schmückte unlängst seine Auslagen mit Sex Pistols Paraphernalia. Auch die Fluglinie British Airways und der Geländewagenhersteller Range Rover haben bereits Interesse an der Musik der vor 30 Jahren aufgelösten Band bekundet. Eine "Anarchy"-Klingeltonserie ist ebenso in Arbeit wie Action-Figuren von Johnny Rotten und Sid Vicious.

Ihr rebellisches Image pflegen die Pistols nach wie vor mit Verve. Erst vor wenigen Wochen hatten sie ihre Aufnahme in die Rock `n` Roll Hall of Fame brüsk abgelehnt. In einem handgeschriebenen Brief ließ John Lydon alias Johhny Rotten, der heute in Los Angeles lebt und in der Immobilien-Branche tätig ist, die Laudatoren wissen, dass ihre Ruhmeshalle nichts weiter als ein "Pissfleck" sei. (dx)

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