Die Musikfirma der Zukunft

Zur Entwicklung der digitalen (R)Evolution
Aus Labels werden zukünftig Musikfirmen. So der Musikexperte Gerd Leonhard in seiner Vorhersage für die „Next Generation Music Company“.

Gerd Leonhard, Autor des Buches ?The Future of Music?, hat sich in seinem Artikel für den ?Swiss Music Guide? mit der Zukunft von Plattenfirmen auseinander gesetzt. Und die sieht keineswegs düster aus, auch wenn sich die Musikbranche in ihrer Struktur erheblich verändern wird. Seine Ausführungen basieren vor allen Dingen auf drei grundlegenden Annahmen: Die neuen Medien werden die alten nicht vollständig ersetzen, sie werden zumindest noch unbestimmte Zeit nebeneinander existieren und sich ergänzen. CD und DVD werden also auch weiterhin ihren Absatz finden ? auch wenn Downloads sich unaufhaltsam ihren Weg bahnen. Dabei wird allerdings jeder Inhalt in irgendeiner kopierbaren Form in digitalen Netzwerken auftauchen. Deswegen ist nicht die Frage, wie dies verhindert werden kann, sondern wie dies kommerziell genutzt werden kann. Die Musikindustrie sollte sich endlich von der unbegründeten Sorge frei machen, dass ein Musikfan, nur weil er für wenig Geld ? oder sogar umsonst ? Musik im Internet herunter laden kann, sich nicht mehr für die Produkte der Musikindustrie interessiert. Jedoch werden sich die Produkte und Leistungen der Musiklabels der digitalen Entwicklung anpassen müssen.

Vom Tonträgerverkauf wird sich kein Label mehr ausschließlich finanzieren können. Auch von Downloads nicht. Stattdessen werden sich Musikfirmen immer stärker über Sponsoring, Werbung und Vermarktungskooperationen finanzieren. Die Record Company wird gleichzeitig zur Artist Agency. Der globale Vertrieb von Musik wird dabei zum Standard, zur Pflichtkür für jedes Label. Leonhard meint, dass sich Modelle mit pauschalen Abgaben durchsetzen werden: der Konsument wird zukünftig von Musik erwarten, dass sie für ihn abrufbar ist wie Wasser oder Elektrizität.

Vieles wird sich ändern, doch Livemusik wird auch weiterhin geschätzt werden, was auch immer man darunter versteht, sei es das Konzert mit Videoperformance oder ein DJ-Set. Auch hier gilt es für Leonhard, die Vorteile der Digitalisierung zu nutzen. So könnten in Zukunft beispielsweise Konzertmitschnitte vor Ort vertrieben werden, denn technisch ist es möglich, Konzerbesuchern gleich nach Endes des Konzertes einen Livemitschnitt auf einem digitalen Datenträger zur Verfügung zu stellen. Zu einem fairen Preis würde dieses neue Marktsegment sicherlich Anklang beim Musikkonsumenten finden.

Die gesamte Digitalisierung der Musikbranche kann also für alle Beteiligten von Vorteil sein. Zuträglich wäre dieser Entwicklung allerdings, wenn sich bestimmte Entscheider von veralteten Prinzpien verabschieden würden und bereit wären, neue Wege zu gehen. Der Musikfreund ist dafür schon lange bereit. (js)

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