Die RIAA-Hacker und andere Filesharing-Gerüchte

95 Prozent aller Tauschbörsen-Nutzer haben ihre Rechner mit Viren infiziert. Wer Kazaa nutzt, muss ständig mit einer Hausdurchsuchung rechnen. Und obendrein gibt`s dafür jetzt noch Rechnungen von der Musikwirtschaft. Das sind nur einige von unzähligen Gerüchten, die in den letzten Wochen ihren Weg durchs Netz fanden. Doch stimmt dass alles eigentlich?

Das Gerücht: Anfang dieser Woche sorgte die Hackertruppe Gobbles Security mit der Ankündigung für Aufregung, man habe im Auftrag der Recording Industry Assciation of America (RIAA) Viren in alle großen Tauschbörsen-Netzwerke eingespeist. Dabei nutze man Sicherheitslücken diverser Medienplayer, um Kontrolle über die Rechner der Tauschbörsennutzer zu erlangen. Mittlerweile seien 95 Prozent aller tauschenden Rechner infiziert. Genaue Details könne man allerdings wegen eines Verschwiegenheitsabkommens mit der RIAA nicht bekannt geben.

Der Wahrheitsgehalt: Verschwindend gering. Zwar gibt es tatsächlich Sicherheitslücken in Mediensoftware wie dem Windows Media Player oder Winamp. Doch diese auszunutzen, ist unter geltenden Gesetzen illegal. Vertreter aus der Musikindustrie versuchen derzeit gemeinsam mit dem US-Abgeordneten Howard Berman, per Gesetz einen größeren Spielraum für solche ?technische Selbsthilfe? zu bekommen. Doch so lange das entsprechende Gesetz nicht verabschiedet ist, würde sich die RIAA - gerade in den Schadensersatz-freundlichen USA - Millionenforderungen gegenübersehen. Die Zahl der infizierten Rechner scheint zudem völlig aus der Luft gegriffen und macht die Meldung auch nicht gerade glaubwürdiger. Nichtsdestotrotz empfiehlt es sich für jeden Computernutzer, das ABC der Virenabwehr zu beherrschen: 1. Regelmäßig Sicherheitskopien aller wichtigen Dateien erstellen. 2. Immer einen aktullen Virenscanner einsetzen. 3. Software immer auf dem aktuellsten Stand halten. Über sicherheitskritische Updates für den Internet Explorer und ähnliche Programme informiert z.B. www.heise.de

Das Gerücht: Wer Kazaa und Co. benutzt, bekommt dafür tausende von Euro von der Musikwirtschaft in Rechnung gestellt.

Der Wahrheitsgehalt: Gering. Die Musikindustrie in Dänemark hat tatsächlich vor knapp zwei Monaten mit einer ähnlichen Aktion Druck auf Tauschbörsen-Nutzer ausüben wollen. Bisher gibt es aber aus Deutschland nichts vergleichbares zu berichten.

Das Gerücht: Wer in Tauschbörsen aktiv ist, muss ständig mit einer Hausdurchsuchug rechnen.

Der Wahrheitsgehalt: Eher gering. Bisher ist noch kein einziger Fall bekannt, in dem jemand allein für MP3s aus Tauschbörsen Schwierigkeiten vor Gericht bekommen hat. Auch zu angeblich in den letzten Wochen vermehrt auftretenden Hausdurchsuchungen gibt es keine seriösen Quellen. Das Herunterladen von MP3s wird zudem von vielen Juristen als legal bezeichnet, allein das Anbieten urheberrechtlich geschützter Inhalte über Tauschbörsen ist strafbar. Noch hat die Musikwirtschaft aber auf das verfolgen einzelner P2P-Nutzer verzichtet. Etwas anders sieht das im Bereich des Filme-Tauschens aus. Hier gab es tatsächlich bereits vereinzelt Maßnahmen gegen einzelne Tauschbörsen-Nutzer, die sich aber in der Regel auf Verwarnungen durch den Internet-Provider beschränkten. Letztlich gibt es keine Garantie, dass sich diese Situation nicht irgendwann ändert. Wer Tauschbörsen nutzt, sollte sich deshalb immer bewusst sein, dass er keineswegs anonym ist. (jr)

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