Digital Rights Management und die (möglichen) Folgen

Tonspion-Umfrage liefert erstaunliche Erkenntnisse

Im Rahmen einer Umfrage zum kostenlosen Downloadangebot Spiral Frog, hatten wir Tonspion-Leser zum Thema DRM befragt. Das Ergebnis der Umfrage ist überraschend. Für kostenlose Angebote wird von einer Mehrzahl der Nutzer inzwischen sogar DRM-Technologie akzeptiert. Dabei ist das Unwissen über DRM nach wie vor groß.

Hier noch einmal eine kompakte Zusammenfassung, was Digital Rights Management ist und welche Risiken und Nebenwirkungen diese Technologie mit sich bringt.

[Was ist DRM?]
DRM-Technologien sollen die Rechte der Urheber und sonstigen Rechteinhaber schützen und es unterbinden, dass digitale Daten massenhaft kopiert und weiterverbreitet werden können. Meistens handelt es sich dabei um Musik, Filme oder Software.

[Was bewirkt DRM?]
Über den Einsatz von DRM-Technologien können Anbieter von dititalen Inhalten z.B. nach Belieben bestimmen:

- wer die Daten nutzen darf
- wie lange oder wie oft die Inhalte genutzt werden können (möchte man etwa die uneingeschränkte Nutzung erwerben, können weitere Kosten anfallen)
- wie oft und ob überhaupt die Daten kopiert werden dürfen (eine Umgehung von Kopierschutztechnologie ist nach deutschem Urheberrecht illegal)
- Mit welcher Soft- und Hardware die Dateien genutzt werden können (so können Apple iTunes Musikstücke etwa nur mit dem Apple iPod, aber auf keinem anderen MP3 Player abgespielt werden)
- Auf welchen Rechnern die Daten genutzt werden können. Eine Neuinstallation des Betriebssystems oder Rechnerwechsel kann somit zum Datenverlust (etwa der kompletten Musiksammlung) führen
- inwieweit die Nutzung der Daten kontrolliert werden kann, etwa um den Musikgeschmack eines Musikhörers herauszufinden, um anschließend entsprechende Kaufangebote unterbreiten zu können. Die Konsequenz wäre ein gläserner Kunde. Für die Industrie eine reizvolle Idealvorstellung.

[Die Folgen]
Die Folgen von Digital Rights Management sind schwerwiegend und oftmals erst dann abzusehen, wenn man ein Problem damit hat, etwa durch Datenverlust oder durch die Benutzung unterschiedlicher Endgeräte. Eine weit reichende Akzeptanz von DRM-Systemen wird dazu führen, dass sich DRM immer weiter im Internet verbreitet und eine zunehmende Überwachung der Konsumenten stattfindet. Während man sich früher eine gekaufte LP oder CD ins Regal gestellt hat oder nach Bedarf weiterverkaufen konnte, verliert der Musikkäufer durch DRM-Technologie einige seiner Rechte und ist nur mehr unter Einschränkungen zur Nutzung der gekauften Produkte berechtigt.

[Es geht auch anders]
Viele Anbieter weigern sich allerdings konsequent, DRM-Technologie zu unterstützen. Die meisten unabhängigen Musiklabels bieten ihre Musik auch in offenen Formaten (hochauflösende MP3 oder Ogg Vorbis) auf diversen Plattformen wie Tonspion, Finetunes, Beatport oder eMusic an. Diese Anbieter werden sich allerdings langfristig nur durch eine Akzeptanz auf Kundenseite durchsetzen können. Denn sie können keine Musik der vier Major-Companies (Universal, EMI, Warner und SonyBMG) anbieten, die Musik bislang nur mit DRM-Einschränkungen im Internet vertreiben.

Wohin sich das in der Zukunft entwickeln wird, ist derzeit noch offen. Es gibt viele Meinungen und Entwicklungen in alle Extreme. Doch eines ist ganz sicher: ohne Kunden geht nichts! Es ist also eure Entscheidung, wie in Zukunft Musik im Internet vertrieben wird.

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