Downloads überholen CDs

Das Musikbusiness ist im Netz angekommen
Kleine Meldung, große Wirkung: erstmals vermeldet mit Atlantic Records ein großes Label, dass man im Internet mehr verdiene als im Plattenladen. Damit beginnt eine neue Ära in der Musikbranche.

Das altwürdige Label Atlantic Records, das unter dem Dach von Warner Music Künstler wie James Blunt und Kid Rock, aber auch Newcomer wie Lykke Li oder "Indie"-Bands wie Death Cab For Cutie vermarktet, hat um 51 Prozent mehr Downloads verkauft als im Vorjahr. Damit stiegen die Umsätze aus dem Downloadgeschäft erstmals über die aus dem klassischen Tonträgergeschäft. Das lässt darauf schließen, dass das Musikgeschäft nun endlich im Netz angekommen ist.

Die Kunden haben sich anscheinend darauf eingestellt, neue Alben direkt auf die Festplatte holen zu können und auch die Labels gehen endlich konsequent den Weg ins Netz. Warner gehört mit zu den Majors, die in diesem Jahr den Weg für Downloads ohne Kopierschutzeinschränkungen frei gemacht haben und damit nach Jahren des Haderns und Zögerns auch Internetnutzer nicht mehr nur als nach Tauschbörsen süchtige Piraten betrachten, sondern als potenzielle Kunden. Und der Kunde hat die unangenehme Eigenschaft selbst zu entscheiden, ob er ein Angebot gut findet oder lieber die Finger davon lässt.

Diese Nachricht dürfte einige Konsequenzen nach sich ziehen: zehn Jahre nach Napster spielt das Musikbusiness nun endlich im Netz. Marketingbudgets werden ab nächstem Jahr möglicherweise nicht mehr in erster Linie für vollkommen sinnlose Plakatwände und Zeitschriften-Kleinanzeigen verplempert, sondern endlich ins Internet investiert. Denn nur dort können wirklich interessante und zukunftsfähige Angebote entwickelt werden, die den Nutzern den Umgang mit digitaler Musik erleichtern und der Branche weiteren Aufwind bescheren werden. Somit gibt es eben auch mitten in einer großen Finanzkrise positive Meldungen - und die ausgerechnet aus der angeschlagenen Musikbranche.

Udo Raaf / Tonspion.de

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