Dr. Dre entschuldigt sich bei Misshandlungsopfern

"Ich war jung und unglaublich dumm"

Dr. Dre hat einen offenen Brief an die New York Times geschrieben. Darin entschuldigt er sich bei den Frauen, die er in den 90er Jahren geschlagen und misshandelt habe. Auch Apple veröffentlichte ein Statement zu seinem Top-Berater.

Der Film "Straight Outta Compton" lässt die steile Karriere des Musikmoguls Dr. Dre Revue passieren. Gemeinsam mit den Rappern Ice Cube und Eazy-E brachte er den Gangsta Rap groß raus und prägte ein ganzes Genre.

Doch durch den Film wurden auch alte Wunden wieder aufgerissen. So äußerten mehrere Frauen sich öffentlich zu ihrer Misshandlung durch Dr. Dre in den 90er Jahren. Mehrfach soll ihm die Hand ausgerutscht sein, unter anderem hatte er auf einer Grammy Party die Rapperin Tairrie B in aller Öffentlichkeit zweimal mit der Faust ins Gesicht geschlagen. 

Auch seine Ex-Freundin, die Sängerin Miche'le, mit der Dre einen gemeinsamen Sohn hat, beschuldigte Dre, sie mit Fäusten geschlagen zu haben, so dass sie mehrfach wegen einem blauen Auge oder gebrochenen Rippen behandelt werden musste. Diese Geschichten kommen im von Dr. Dre produzierten Film über seine Gang nicht vor, wie die ebenfalls misshandelte HipHop-Journalistin Dee Barnes schreibt. "Der Film zeigt nicht die Realität und er ist nicht Gangster. Gangster wäre gewesen, alles zu zeigen."

Foto Credit: Universal Music
Foto Credit: Universal Music


Foto: Universal Music

Die Debatte überschattete den Start des Films, so dass sich Dre gezwungen sah, mit einem Statement an die Öffentlichkeit zu gehen und sich zu den Vorwürfen zu äußern.

"Vor 25 Jahren war ich ein junger Mann, der zu viel getrunken hat, mit dem Wasser bis zum Hals und ohne jegliche Struktur in meinem Leben. All das ist keine Entschuldigung für das was ich getan habe. Ich bin jetzt 19 Jahre verheiratet und kämpfe jeden Tag darum, ein besserer Mensch für meine Familie zu sein. Ich tue alles, was ich kann, um nie wieder so zu werden, wie ich einmal war. Ich entschuldige mich bei den Frauen, die ich verletzt habe. Ich bedaure es zutiefst und weiß, dass es unser aller Leben für immer prägen wird". (Dr. Dre)

Auch Apple veröffentlichte ein Statement zu den Beschuldigungen. Dre arbeitet als Musikberater für Apple, seit er sein Unternehmen Beats für 3 Milliarden an Apple verkauft hatte. 

"Dre hat sich für die Fehler seiner Vergangenheit entschuldigt und sagte, dass er nicht diesselbe Person wie vor 25 Jahren sei. Wir glauben an seine Aufrichtigkeit und nachdem wir nun eineinhalb Jahre eng mit ihm zusammen arbeiten, haben wir jeden Grund zu glauben, dass er sich geändert hat."

Die öffentlichen Statements sind außergewöhnlich und zeigen, unter welchem Druck die Zusammenarbeit des Hardware-Giganten mit seinem berühmten Angestellten steht. Dre veröffentlichte mit "Compton" gerade sein erstes Album seit 15 Jahren exklusiv im hauseigenen Streamingdienst Apple Music.

Trotzdem ist Apple Music in der Kritik, die Hälfte der Nutzer ist offenbar bereits wieder abgesprungen, weil sie der neue Service auch in der aktuell kostenlosen Testphase nicht überzeugen konnten. 

Die Statements von Dre und Apple zeigen, dass man den Promoeffekt nicht umgekehrt sehen und das extrem unangenehme Thema möglichst schnell ad acta legen möchte.

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