DRM ist tot, es lebe DRM!

Digitale Wasserzeichen sollen zukünftig Urheberrechtsverletzungen eindämmen

Kaum wurde das Thema Digital Rights Management von der Musikindustrie beerdigt, da wird schon an anderen Technologien weiter gewerkelt, die dem massenhaften Kopieren von urheberrechtlich geschütztem Material Einhalt gebieten sollen.

Ein fast schon alter Hut ist das digitale Wasserzeichen. Damit kann der Nutzer, anders als bei DRM-Systemen, seine Files zwar beliebig kopieren und weiter geben, doch sollen die kopierten Files so markiert sein, dass der ursprüngliche Käufer - und damit potenzielle Verletzer des Copyrights - jederzeit identifiziert werden kann. Es handelt sich dabei also auch um eine Art DRM, nur eines, von dem der Nutzer perfiderweise nichts bemerkt.

Die Technologie haben viele Firmen, wie Microsoft oder die MP3-Erfinder vom Fraunhofer Institut (siehe unser Interview mit Karl-Heinz Brandenburg aus dem Jahr 2004) längst im Angebot. Nach dem Ende von DRM und proprietären Formaten für Musik hat das Rennen, um den nächsten Standard für Musik-Downloads begonnen. Zwar sind mit den Wasserzeichen umfangreiche Informationen abrufbar, doch es ist kaum damit zu rechnen, dass auf diese Art und Weise einzelne Nutzer massenhaft verfolgt werden sollen. Vielmehr geht es wahrscheinlich zukünftig darum, den Internet Providern Technologien an die Hand zu geben, um entsprechend markiertes Material etwa in Tauschbörsen zu identifizieren und zu sperren. Auch in Zukunft werden Musik- und Filmindustrie also wohl kaum seelenruhig zuschauen, wenn ihre Produktionen in Umlauf gebracht werden, ohne dass dafür bezahlt wird.

---

Zum Thema Digitales Wasserzeichen oder "Light-Weight DRM":

Prof. Brandenburg erklärte uns das Prinzip eines so genannten "Light-Weight DRM" 2004 so: "Die Idee ist, das System quasi umzudrehen, so wie wir`s aus dem Straßenverkehr kennen. Im Verkehrsrecht ist es auch nicht so, daß überall Systeme hingebaut sind, die direkt auf die Fahrzeugelektronik wirken, sodaß, wenn ich zu schnell fahre, das Auto sofort stehen bleibt und erst nach Zahlung von Strafe wieder weiterfahren kann und darf. Im Gegenteil. Jeder, der fährt, kennt seine Pflichten und weiß, ich habe ein Nummernschild am Auto. Das heißt, wenn ich zu schnell fahre, dann ist da ein gewisses Risiko, daß ich erwischt werde. LWDRM versucht etwas ähnliches. Wie aus dem Presserecht bekannt: wenn ich etwas veröffentlichen will, dann muß ich darunter schreiben "verantwortlich im Sinne des Presserechtes". Ähnlich dort - wenn ich Musik, elektronische Musik in ein Format bringen will, das ich weitergeben kann, dann muß ich elektronisch unterschreiben. Und, wenn das an der falschen Stelle wieder auftaucht, bin ich derjenige, der die kritischen Fragen zu beantworten oder eine Strafe zu zahlen hat. Das ist natürlich etwas, was entsprechend auch von der Rechtslage her abgesichert sein muß. Wo ich auch auf kritische Fragen bezüglich Schutz der Personenrechte und ähnliches aufpassen muß. Aber die Grundidee, daß damit Dinge, die im privaten Bereich passieren, qua Definition entzogen und möglich sind ohne Einschränkungen, und daß ich andererseits weiß, daß, sobald ich die Musik aus dem privaten Bereich herausgebe, das dann illegal ist und verfolgt werden und gefunden werden kann - das sollte eigentlich weithin akzeptabel sein."

Udo Raaf / Tonspion.de

Tonspion präsentiert täglich die beste neue Musik mit Streams, Videos und kostenlosen Downloads sowie die wichtigsten Neuheiten aus dem Netz.

amazon music unlimited

Tonspion Newsletter

Alle wichtigen Neuigkeiten aus der Welt der Musik einmal wöchentlich in deine Mailbox.
Kein Spam, versprochen! Du kannst dich in jedem Newsletter wieder abmelden.
* Pflichtfeld

Ähnliche News

Update: Yahoo Music schaltet DRM-Server ab

Update: Yahoo Music schaltet DRM-Server ab

Gekaufte Songs künftig nicht mehr abspielbar - Kunden werden entschädigt
Was die Folgen von Digital Rights Management (DRM) sein können, erfahren derzeit die Kunden von Yahoo Music. Yahoo möchte nämlich zum 1. Oktober seine DRM-Server abschalten. Gekaufte kopiergeschützte Songs können somit nicht mehr auf neue Rechner übertragen werden.
Löst MT9 bald MP3 als Standard ab?

Löst MT9 bald MP3 als Standard ab?

Koreanische Wissenschaftler arbeiten an Music 2.0
Wissenschaftler des koreanischen Forschungsinstituts ETRI wollen den Nachfolger des populären Mp3-Formats entwickelt haben. MT9 lautet die Bezeichnung des Formats, das es mittels Sechs-Kanal-Mischer erlauben soll, die Spuren eines Songs unabhängig voneinander zu steuern.
Wird DRM durch die Hintertür wieder eingeführt?

Wird DRM durch die Hintertür wieder eingeführt?

Neue Geschäftsmodelle setzen weiterhin auf Kopierschutz
Noch vor wenigen Monaten schien das so genannte Digital Rights Management, also der Kopierschutz für Downloads, so gut wie tot. Sämtliche Majorcompanies hatten erstmals Musik auch ohne DRM angeboten. Doch neue Geschäftsmodelle sind ohne Kopierschutz kaum denkbar.
Trent Reznor macht ernst

Trent Reznor macht ernst

Nine Inch Nails veröffentlichen Ghosts I-IV unter Creative Commons-Lizenz
Trent Reznor war einer der ersten und mit Sicherheit der lauteste Nachahmer von Radiohead. Nach dem eher durchwachsenen Erfolg des kostenlosen Releases von Saul Williams "Niggy Tardust", legt Reznors Band Nine Inch Nails jetzt mit dem Release von Ghosts I-IV nach.
HipHop im MP3-Format

HipHop im MP3-Format

Beatsource bietet Black Music ohne DRM
Beatport, für viele der Anlaufpunkt für Downloads elektronischer Musik im Netz, hat expandiert. Beatsource heißt das neue Angebot, das seit kurzem online ist, und sein Augenmerk vor allem auf HipHop und Artverwandtes legt.