DRM kills Music

EMusic erfolgreicher als iTunes
Kopierschutzbeschränkungen für Downloads (Digital Rights Management) wirken sich negativ auf Verkaufszahlen aus. Zu dieser Einschätzung kommt die Los Angeles Times. Der DRM-freie MP3-Shop EMusic etwa kann pro Kunden mehr Musik absetzen als Marktführer Apple iTunes.

Die Fronten sind verhärtet. Auf der einen Seite lehnen es die großen Major-Musikfirmen EMI, SonyBMG, Universal und Warner generell ab ihre Musik im unbeschränkten MP3 Format zu verkaufen. In den USA sollen zukünftig auch CDs der großen Firmen mit einem neuartigen Kopierschutz auf den Markt kommen.
Unzählige Independent-Labels nutzen auf der anderen Seite das beliebte MP3-Format, um ihren Kunden den Bezahl-Download schmackhaft zu machen. Diese werden bei Anbietern wie etwa dem US-Pionier EMusic.com verkauft. EMusic hat sein Geschäftsmodell vor allem für Musikfans und Heavy-User zurecht geschneidert und bietet mehrere Pauschaltarife von 40 Songs für 10 Dollar, bis 90 Songs für 20 Dollar pro Monat. Darüber hinaus gibt es in der kostenlose Testphase 50 Songs geschenkt, um sich mit dem Service vertraut zu machen und nicht die Katze im Sack zu kaufen.

Dagegen bieten die großen Download-Stores mit Musik der Majorlabels überwiegend ein Einheitspreismodell von 1 Dollar pro Song an. Die Downloads sind allerdings mit einigen Einschränkungen ausgestattet. So können etwa Downloads im WMA-Format nicht auf den iPod übertragen werden und auch sonst muss sich der Käufer daran gewöhnen, dass die Industrie auch bereits bezahlte Downloads weiterhin kontrollieren möchte, damit sie nicht in Umlauf gebracht werden können. Das jedoch scheint das Interesse an den Downloadshops deutlich zu mindern.

Zwar kann der Shop von EMusic im Vergleich zu Apple nur einen Bruchteil von dessen Kundenzahlen vorzuweisen, doch die sind dafür wesentlich kauffreudiger als die Millionen Apple-User. Die Auszahlungen an die Labels stiegen bei EMusic in den letzten Monaten um über 50 Prozent.

"Vielleicht ist der Grund, dass die Leute mehr konsumieren, wenn sie unterschiedliche Möglichkeiten und mehr Flexibilität angeboten bekommen", so EMusic-Geschäftsführer David Pakman über das steigende Interesse für den bezahlten MP3 Download. Ganz anders sieht das Warner-Berater Paul Vidich: "Der Punkt ist, dass man den Kunden eine klare Grenze stecken muss, die lautet: du hast es gekauft, es gehört dir, du hast aber kein Recht es ins Netz zu stellen und der Welt verfügbar zu machen."

Eine Idealvorstellung der Majorlabels ist es, Songs überhaupt nicht mehr zu verkaufen, sondern nur noch gegen Gebühr zu verleihen. Auch dafür benötigt man Digital Rights Management Verfahren. So bietet Napster zum Beispiel gegen eine Monatsgebühr von 10 Dollar zwar unbegrenzten Zugang zu über 1 Million Songs, doch kann man diese lediglich hören. Um sie downzuloaden und zu besitzen - im kopiergeschützten WMA-Format, versteht sich - wird eine extra Gebühr fällig.

Und so ist auch in Zukunft kaum abzusehen, dass sich die Majors von der vermeintlich lukrativen Geschäftsidee des DRM verabschieden werden. Im Gegenteil: die Branche wird sich weiterhin zweiteilen. In diejenigen, die ihren Kunden vertrauen und in die Verantwortung nehmen und in diejenigen, die ihren Kunden misstrauen und deshalb bevormunden. Welche Strategie sich am Ende als erfolgreicher erweist, liegt einzig und allein in der Hand der Kunden. (ur)
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