Düstere Zeiten für die CD

Amazon steigt ins Downloadgeschäft ein und verzichtet auf Kopierschutz

Während Amazon seinen Einstieg ins DRM-freie Downloadgeschäft verkündet, prophezeien Analysten, dass spätestens 2011 der Verkauf von Downloads den von physikalischen Tonträgern überflügeln dürfte. Unterdessen sehen sich Apple, Microsoft, Adobe und Real mit der Klage eines Softwarespezialisten für DRM konfrontiert.

Gerüchte über einen Einstieg von Amazon ins Downloadgeschäft hielten sich hartnäckig, jetzt ist es offiziell. Wie der Onlineriese in Seattle bekannt gab will man noch in diesem Jahr Downloads anbieten. Mehrere Millionen Titel von 12.000 Labels soll das Angebot umfassen, unter ihnen befindet sich auch die EMI. Amazon will ausschließlich DRM-freie MP3s anbieten, über deren Preise und Bitrates hüllt sich der Onlineriese allerdings noch in Schweigen. Allerdings mehren sich jetzt schon die Hoffnungen, dass mit Amazons Einstieg ins DRM-freie Downloadgeschäft der Druck auf die anderen Majorlabels wachsen dürfte, ihrerseits auf DRM zu verzichten. Das Angebot soll zunächst auf die USA beschränkt bleiben.

Passend zur Ankündigung von Amazon hat der schwedische Analyst Berg Insight eine Studie veröffentlicht, die davon ausgeht, dass spätestens 2011 das Downloadgeschäft den Verkauf von physikalischen Tonträgern überflügelt haben dürfte. Berg Insight prophezeit weiterhin, dass der rapide wachsende Markt für Musikdownloads ab 2008 für Wachstum in der gesamten Branche sorgt. Als größten Hemmschuh auf dem Weg dorthin sehen die Analysten das Beharren auf DRM. In Zukunft müsse sichergestellt sein, dass sich Musikdownloads sowohl zu Hause auf dem Computer abspielen lassen als auch auf mobilen Geräten. Insbesondere Handys als Multimediatool würden immer wichtiger werden und reine MP3-Player in naher Zukunft ablösen.

Obwohl der Konsens über die Abschaffung von DRM auf einer immer breiteren Basis steht, sehen sich in den USA Apple, Microsoft, Adobe und Real mit der Klage des Softwareherstellers Media Rights Technologies (MRT) konfrontiert. MRT hat eine Software entwickelt, die das Aufzeichnen von Streams verhindern soll. Bei der Programmierung von Software wie Vista, dem Adobe Flash Player, Apples iTunes oder dem Real Player hätten die genannten Firmen den Einsatz von MRTs Software aktiv verhindert und verstießen so gegen den Digital Millenium Copyright Act. MRT fordert das sofortige Ende der Produktion sowie Schadenersatz in Höhe von 200$ bis 2.500$ pro verkaufter bzw. vertriebener Software. Angesichts der weiten Verbreitung von iTunes, Vista oder dem Adobe Flash Player dürfte der theoretische Streitwert eine astronomische Summe ergeben. (fs)

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