Durch neue Wege aus der Krise?

Die Krise der Musikindustrie und die (vielleicht) zweiteuerste LP der Welt

Dass die Musikindustrie in der Krise steckt, ist keine Neuigkeit, sondern mittlerweile der alltägliche Standardumstand für alle Beteiligten. Plattenfirmen, Künstler und Konsumenten – alle haben daran gleichermaßen zu knabbern. Erstere legen deshalb auch seit langem schon einen großen Ideenreichtum an den Tag und lassen keinen Versuch aus, Wege aus der Krise zu ebnen.

Natürlich geht es dabei um Geld und Marktanteile, was stets auf die Maximierung des größtmöglichen Eigennutzes abzielt und nicht immer zum Wohle der Künstler und Konsumenten beiträgt. Die Majors versuchen durch neue Einnahmequellen wie digitale Musik, Klingeltöne oder Anteile vom Verkauf von Konzerttickets oder Merchandise-Artikel den immensen Rückgang ihrer CD-Verkäufe zu kompensieren. Fakt ist aber, so berichtete zumindest jüngst die New York Times, dass heute trotz dieser Kompensationsversuche (selbst inklusive bezahlter Downloads!) weniger Musik verkauft wird, als in den Jahren zuvor. Tendenz: so bleibend.

Künstler und Bands schauen der Krise aber auch nicht untätig beim Weiterwachsen zu. Mehr und mehr versuchen sie die Möglichkeiten des Internets zu nutzen und auszubauen. Speziell die sogenannten "Social Networking Websites" eröffnen in diesem Bereich neue Wege. Ein Plattenvertrag ist schlicht und ergreifend nicht mehr Bedingung für die Möglichkeit, Erfolg und ansehnliche Verkaufszahlen zu erreichen. Vielmehr wird mittlerweile im Vorfeld via Internet der ?hot shit? gekocht, nach dem sich die Firmen dann nachher die Finger lecken ? gutes Beispiel: Arctic Monkeys. Diese Entwicklung der zunehmenden Bedeutung des Internets für die Eigenvermarktung von Musik hat die L.A. Times nun bemerkt und in einem Artikel zum Thema gemacht. In diesem Artikel ist darüber hinaus nachzulesen, dass natürlich auch die Major Labels diesen Trend bemerkt haben und ihr Talentscouting im Netz ausbauen. Aber sich ausschließlich auf das Internet zu verlassen, ist sicherlich nicht der Weisheit letzter Schluss, was den Erfolg von Musiker und Plattenfirmen betrifft.

Aber ist es um die Musikindustrie und den (leidenschaftlichen) Musikanhänger tatsächlich so schlecht bestellt? Wenn man sich das (vermeintliche) Ende der Versteigerung der Schallplatte "4-25-66" anschaut, mag man meinen, dass dem nicht so ist. Gegenstand dieser Auktion war die damals für 75 Cent auf einem New Yorker Flohmarkt erworbene Urfassung des legendären Debüts von Velvet Underground (wir berichteten). Dieses Artefakt ist für mehr als 155.000 Dollar versteigert worden und wäre damit die zweitteuerste Langspielplatte der Welt geworden - wenn das letzte Gebot kein Fake gewesen wäre, wie der NME aktuell berichtet. Das teuerste Album bisher, mit dem Endverbraucherpreis von schlappen 464.000 Dollar, ist "Double Fantasy", das John Lennon für Mark Chapman, seinen späteren Mörder, signiert hatte. Damals waren musikalische Artefakte scheinbar noch mehr wert... (bb)

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