Earthstation 5 im Zwielicht

Die Tauschbörse Earthstation 5 galt lang als sagenumwobener Exot: Ihre Betreiber erklärten, aus einem palästinensischen Flüchtlingslager heraus zu agieren und damit unerreichbar für die Entertainment-Industrie und ihre Anwälte zu sein. Das Computermagazin c`t hat jetzt jedoch herausgefunden, dass der Earthstation 5-Besitzer höchstwahrscheinlich in Mexiko ansässig ist.

Zwei freie Mitarbeiter der c`t haben über Monate hinweg versucht, die Legenden der Tauschbörse auf ihren Wahrheitsgehalt zu überprüfen. Bald stießen sie dabei auf eine Reihe von Ungereimtheiten. So hatte die Betreiberfirma, die angeblich im Flüchtlingslager Jenin saß, ihren offiziellen Firmensitz im Südsee-Steuerparadies Vanuatu. Ein Kontrollanruf beim unter dem arabischen Namen Ras Kabir auftretenden Firmensprecher ergab, dass dieser gar kein Arabisch versteht. Und der Provider, der angeblich für die Anbindung von Earthstation 5 verantwortlich ist, existiert nur auf dem Papier.

Im Laufe ihrer weiteren Recherchen stießen die beiden Autoren auf eine sehr interessante Spur: Sowohl Kabir als auch der immer wieder im Namen der Firma auftretende Steve Taylor nutzen die E-Mail-Infrastruktur eines in den USA gesuchten Kriminellen namens Stephen Cohen, der von Mexiko aus Spam-Geschäfte betreibt. In einem Fall nutzten Cohen und Taylor sogar den gleichen PGP-Key zur Verschlüsselung ihres Mailverkehrs.

Die c`t hält sich mit Spekulationen zu den Motiven Cohens für den Aufbau der Tauschbörse und der dazugehörigen Legende zurück. Denkbar ist jedoch zum Beispiel, dass Cohen die Rechner der Earthstation-Nutzer missbrauchen wollte, um effektiver Spam zu versenden. Sicherheitsexperten warnen bereits seit geraumer Zeit davor, dass Spammer Viren und ähnliche Programme nutzen könnten, um PCs zu ungewollten Spam-Aussendern zu machen. Viel einfacher ist so etwas natürlich, wenn man die Nutzer der Rechner dazu bringt, die Software mit Hintertür ganz freiwillig zu installieren.

Den kompletten und sehr lesenswerten Bericht zu den Hintermännern von Earthstation 5 findet sich in der aktuelle c`t (26/03), die seit Montag im Handel erhältlich ist. Wir raten allen Tonspion-Nutzern dazu, Earthstation 5 vorerst nicht zu nutzen und die Software sicherheitshalber zu deinstallieren. (jr)

Tonspion präsentiert täglich die beste neue Musik mit Streams, Videos und kostenlosen Downloads sowie die wichtigsten Neuheiten aus dem Netz.

amazon music unlimited

Tonspion Newsletter

Alle wichtigen Neuigkeiten aus der Welt der Musik einmal wöchentlich in deine Mailbox.
Kein Spam, versprochen! Du kannst dich in jedem Newsletter wieder abmelden.
* Pflichtfeld

Tonspion präsentiert täglich die beste neue Musik mit Streams, Videos und kostenlosen Downloads sowie die wichtigsten Neuheiten aus dem Netz.
Folge uns auf Facebook:

Ähnliche News

Die Vorleser

Die Vorleser

MP3-Spam überflutet Mailboxen
Der Webhoster Strato warnt vor einer neuen Spam-Epedemie. Diesmal sollen allerdings nicht Mails verschickt werden, sondern MP3 Dateien.
Wurm frisst MP3-Dateien

Wurm frisst MP3-Dateien

Gefahr für Musiksammler auf Tauschbörsen
Es hört sich an, wie ein PR-Coup der Musikindustrie. Ein Wurm, den man sich über Tauschbörsen einfangen kann, soll in der Lage sein komplette MP3 Sammlungen auf dem Computer löschen. Zu allem Überfluss gibt es kurz vorher noch einen Vortrag über die Gefahren von Raubkopien.

Off Topic: Spam, Viren und Massenmails. Was tun?

"Hallo, ein Freund hat mir Deine Email gegeben. Meine neue Seite ist endlich fertig." - "Klick doch mal auf www.sowieso.de/irgendwas.exe" -"Krieg ist böse. Unterzeichnen Sie am Ende der Liste, die unten angehängt ist, und schicken Sie diese an alle, die Sie kennen". Diese und ähnliche Massenmails sind inzwischen häufiger als persönliche Mails von Freunden. Grund genug, ein paar Tipps zu geben, wie man den Mail-Terror stoppen kann.

KaZaa Lite und Werbefilter

KaZaa Lite ist anscheinend die derzeit beliebteste Tauschbörse im Netz. Ausgerechnet eine gecrackte Version macht den Betreibern von KaZaa zu schaffen. Warum? Weil ein unbekannter Hacker sämtliche Werbung und Spyware einfach rausgeschmissen hat und die Tauschbörse unter dem Namen KaZaa Lite betreibt. Doch einige Nutzer berichten auch von Problemen mit KaZaa Lite.