Ein Besuch in der Hamburger Elbphilharmonie

So klingt das neue Hamburger Wahrzeichen

Seit Eröffnung der Hamburger Elbphilharmonie sind die Tickets bis Ende der Spielzeit restlos ausverkauft. Wir hatten gestern die Gelegenheit, uns den neuen Konzertsaal am Hamburger Hafen anzusehen und anzuhören.

Auf Tickets für die Elbphilharmonie muss man derzeit sehr lange warten. Oder man stellt sich frühzeitig an und hofft abends an der Abendkasse auf ein paar Resttickets. Ich hatte gestern eine erste Gelegenheit ins Innere der jahrelang umstrittenen Dauerbaustelle zu blicken, die am 11. Januar 2017 eröffnet wurde. Und zu hören, wie der Saal klingt, an dessen Klang so lange getüftelt wurde.

Elbphilharmonie Hamburg
Elbphilharmonie Hamburg (Foto: Ralph Larmann)

Anlass war das Transatlantik Festival und das Konzert des Chorus Sine Nomine, der Lieder aus den USA, Argentinien und Deutschland sang und das Konzert mit einem spektakulären Auftritt über die Zuschauerränge eröffnete. Jeder Sänger flüsterte unterschiedliche Worte aus allen Rängen des mehrere Stockwerke hohen Raumes und zeigte, wie ausgetüftelt die Akkustik dieses Konzertsaals ist. Egal aus welcher Ecke, man hört selbst das leiseste Flüstern. 

Elbphilharmonie Großer Saal
Elbphilharmonie Großer Saal (Foto: Todd Rosenberg)

Die Akustik spielte bei der Konzeption der Säle eine entscheidende Rolle. Verantwortlich dafür war der japanische Akustiker Yasuhisa Toyota, der kein Detail dem Zufall überließ, um den bestmöglichen Klang zu erzeugen, von der schalldiffusierenden Innenhaut bis hin zu den Sitzbezügen. Boden und Bühne sind komplett aus unbearbeitetem Holz gebaut, was der "Elphi" einen ausgesprochen holzigen Duft verleiht, der an eine finnische Sauna erinnert. 

Mit ausfahrbaren Rollbannern kann der Klang der Elbphilharmonie an die Musik angepasst werden (Foto: Gerriets)

Die Elbphilharmonie ist außerdem mit beweglichen Doppel-Rollbannern ausgestattet, die aus dem Parkett hochgefahren werden können, um die Nachhallzeit auf die jeweilige Nutzung des Saales optimal abstimmen zu können. Es wurde viel Aufwand betrieben, um den großen Saal der Elbphilharmonie zu einem der besten Konzertsäle der Welt zu machen.

Ob das gelungen ist, sollen Klangfetischisten entscheiden. Die Meinungen darüber gehen derzeit noch stark auseinander und hängen letztlich auch von der Musik und dem jeweiligen Sitzplatz ab. Was auf jeden Fall gelungen ist, ist eine Transparenz und Brillianz, die ich so bisher selten gehört habe. 

Elbphilharmonie Chorus Sine Nomine
Elbphilharmonie Chorus Sine Nomine (Foto: Claudia Höhne)

Eine Sängerin des Chores machte sich mitten im Konzert für eine Improvisation auf den Weg durch die Zuschauerränge und egal, wo sie stand, die Stimme war klar und deutlich zu hören. Allerdings auch die Leute mit chronischem Husten, die sich scheinbar immer ausgerechnet zu klassischen Konzerten verabreden. Auch diese sind im gut 2000 Menschen fassenden Raum bestens zu hören, was in leisen Passagen mitunter die Musik übertönt, aber eben auch der großartigen Akustik des Saales geschuldet ist. 

Einstürzende Neubauten © Claudia Höhne

Einstürzende Neubauten in der Elbphilharmonie © Claudia Höhne

Der erste Eindruck: die Elbphilharmonie ist wie Hamburg, groß, leicht unterkühlt und unfassbar teuer. Athmosphärisch reicht sie nicht an die Berliner Philharmonie heran, was auch an der recht kalten Beleuchtung und den graubraunen Wänden liegen mag. Klangtechnisch ist sie eine Bereicherung für Hamburg und die Musikwelt und musikalisch sowieso: das Programm der Elbphilharmonie ist erstaunlich vielseitig und abwechslungsreich und bot bisher neben Klassik bereits Konzerte von den Einstürzenden Neubauten, ANOHNI oder eine Eigenproduktion mit Hollywood-Star John Malkovich.

Die Elbphilharmonie, die während ihrer Bauzeit insgesamt 789 Millionen Steuergelder verschlang, will heute ein Ort für alle sein, nicht zuletzt, um der Bevölkerung die enormen Baukosten in kulturellen Highlights zurück zu zahlen. Nicht nur Klassik, sondern alle Spielarten der Musik sollen unter dem ikonischen Dach der "Elphi" ein neues Zuhause finden und bisher scheint das Konzept voll aufzugehen. 

Elbphilharmonie: Von der Vision zur Wirklichkeit (NDR Dokumenation)

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