Entlassungs-Kur bei der EMI

Die Musikindustrie schrumpft weiter

Vornehmliches Thema bei der EMI war während der letzten Wochen die Spekulation, auf das DRM-System (Digital Rights Management) zum Schutz vor Raubkopien zukünftig verzichten zu wollen. Man verspricht sich durch diesen Verzicht eine wie auch immer geartete Besserung der Verkaufszahlen und Konzertbesucherkultur. Nun wird dieses Thema durch ein neues abgelöst: die Entlassungs-Kur im Hause EMI.

Dem Musikgeschäft geht?s schlecht. Die Indielabel kämpfen ums Überleben oder haben gar schon die Segel gestrichen (Insolvenzanmeldungen bei Kitty-Yo und Lado) und auch bei den großen folgt eine Sparmaßnahme auf die nächste, ein Rauswurf dem anderen. Einer Meldung aus London vom Freitag zufolge müssen der Chefmanager der Musiksparte Alain Levy und sein Vize David Munns bei der EMI nun ihre Sachen packen. Entlassungen, die Resultat eines neuen Sparprogramms sind, das bis zu 110 Millionen Pfund (sprich knapp 165 Millionen Euro) pro Jahr einbringen soll. Konzernchef Eric Nicoli wird bis auf Weiteres die Führung des Musikbereichs selbst übernehmen.

Diese Kündigungen sollen nur die Spitze einer umfassenden Umstrukturierung und Entlassungs-Kur sein. Im Zuge der Streichung von Fixkosten bei EMI Music in erster Linie, aber auch durch Kürzungen beim Musikverlag EMI Music Publishing, will man einen neuen Sparkurs einschlagen. Der lukrativste Markt momentan, das Geschäft mit den digitalen Downloads über das Internet, soll beschleunigt ausgebaut und erweitert werden.

Trotz Veröffentlichungen solch vermeintlicher Megaseller wie Robbie Williams, Norah Jones und Kylie Minogue kam die EMI im letzten Jahr nicht aus den roten Zahlen heraus, sondern blieb bei fast allen Release weit hinter den Verkaufserwartungen zurück. Ende letzten Jahres gab es aus diesem Grund Gespräche mit einem finanzstarken Investor, die aber erfolglos verliefen. Die Entlassungs-Kur wird also leider noch viel größere, internationale Kreise ziehen. (bb)

Passend zum Thema empfehlen wir die Lektüre des Buchs "Mix, Burn & R.I.P. - Das Ende der Musikindustrie" unseres Autors Janko Röttgers aus dem Jahr 2003!
Zum kostenlosen Download unter: http://www.netselektor.de/Web/5066

Tonspion präsentiert täglich die beste neue Musik mit Streams, Videos und kostenlosen Downloads sowie die wichtigsten Neuheiten aus dem Netz.

amazon music unlimited

Tonspion Newsletter

Alle wichtigen Neuigkeiten aus der Welt der Musik einmal wöchentlich in deine Mailbox.
* Pflichtfeld

Ähnliche News

Die 8 besten Twitterbilder zur angeblichen Pleite von 50 Cent

Die 8 besten Twitterbilder zur angeblichen Pleite von 50 Cent

Get Rich or Die Tryin'
50 Cent hat aus Rachegelüsten ein Sextape seiner Ex ins Netz gestellt und soll dafür 4,5 Millionen Euro Schadensersatz blechen. Curtis Jackson meldete Insolvenz an und das Netz rastete aus. 50 Cent pleite?! Ursachenforschung in 8 nicht ganz so ernst gemeinten Twitterbildern.
Neues aus dem Pop-Feuilleton

Neues aus dem Pop-Feuilleton

Mit Lana del Rey, der EMI, dem Ende der CD und gewieften Sponsoren
„Business. Always Business.“ - Steigende Plattenverkäufe, Bands, die sich von Sponsoren einspannen lassen, das Ende von EMI und CD, die Inszenierung von Lana del Rey – Tonspion Florian Schneider kommt das Pop-Feuilleton der zurückliegenden Woche vor wie der Wirtschaftsteil der FAZ.
Massive Attack streamen „Heligoland“

Massive Attack streamen „Heligoland“

Neues Album erscheint am 5. Februar
Kommenden Freitag veröffentlichen Massive Attack ihr fünftes Album „Heligoland“. Vorab lässt sich das Album komplett im Stream hören. Passend dazu kursiert im Netz momentan ein rarer Promo-Mix von Massive Attack aus dem Jahr 2002.
"Filesharing nicht per se schlecht"

"Filesharing nicht per se schlecht"

EMIs neuer President Digital Business fordert neue Strategie
Douglas Merrill als CIO maßgeblich am Börsengang von Google beteiligt, wechselt Ende April den Job und heuert bei der EMI als President Digital Business an. Vorab verbreitet er gegenüber der britischen Tageszeitung The Guardian für die Musikindustrie erfrischend neue Ansichten zum Thema Filesharing.
DRM ade?

DRM ade?

Verzichten SonyBMG und Warner ebenfalls auf die digitale Rechteverwaltung?
AmazonMP3 ist erst wenige Tage online, da mehren sich im Netz schon die Anzeichen, dass Sony BMG und Warner ihre bisherige Haltung zu DRM schneller überdenken als erwartet. Zwei ranghohe Verantwortliche wagen zumindest einen vagen Ausblick in eine Zukunft ohne DRM.