Erster deutscher Tauschbörsen-Nutzer verurteilt

Zum ersten Mal ist vor einem deutschen Gericht der User einer P2P-Tauschbörse verurteilt worden. In Cottbus wurde ein 23 jähriger Azubi in einer außergerichtlichen Einigung zur Zahlung von insgesamt 8000 Euro verdonnert. Die IFPI will die Jagd auf Tauschbörsen-Nutzer fortführen.

Bei dem Verurteilten wurden rund 6000 vermutlich illegal erworbene Songs auf der Festplatte und rund hundert selbstgebrannte CDs gefunden. Weitere 68 Personen bekamen Post mit Schadensersatzforderungen in Höhe von jeweils rund 10 000 Euro, ansonsten müsse man mit einer Klage rechnen.

Die deutschen Phonoverbände bejubeln den Präzendenzfall und hoffen auf dessen abschreckende Wirkung. Tatsächlich vermeldet der internationale Verband der IFPI Erfolge durch die Klagen. So sei das Angebot von MP3 Files in den Tauschbörsen weltweit um rund 30 Prozent zurückgegangen. Dennoch werden nach wie vor mehr als eine halbe Milliarde Songs weltweit in Tauschbörsen angeboten - wesentlich mehr als bei allen legalen Angeboten im Netz zusammengenommen. Von einem Ende der Tauschbörsen kann also noch lange keine Rede sein. Und vereinzelte Klagen können da nicht mehr als ein Tropfen auf den heißen Stein sein.

Außerdem ist noch nicht klar, ob aus allen Klagen, die vor Gericht ausgefochten werden, tatsächlich die Labels als Sieger hervorgehen würden. Doch die Strategie der Plattenfirmen, gleich mehrere Klagen anzudrohen, schüchtert die betroffenen Privatpersonen natürlich massiv ein, so dass es schon einen besonders mutigen, überzeugten und vor allem wohlhabenden Tauschbörsen-Nutzer treffen müsste, um es mit der gesamten Musikindustrie aufzunehmen.

Vor allem der Jugendverband der Grünen und die Globalisierungsgegner von Attac verurteilten das Vorgehen der Musikindustrie scharf. Sie fordern statt eines Verbots von Peer-to-Peer Technologie eine Flatrate für Musik.

Auch Markus Beckedahl, Vorsitzender des Netzwerks Neue Medien, kritisiert das Urteil: "Es ist traurig, dass der Phonoverband denkt, er müsse einen Auszubildenden für den Konsum und das Tauschen von Musik verfolgen und 8000 Euro von ihm verlangen. Die eigene Zielgruppe zu verklagen, ist der falsche Weg. Im Zeitalter des Internets sind neue Wege gefragt. Eine gute Lösung wäre eine Musicflatrate. Das bewährte Pauschalabgaben-Modell sollte auf Internetzugänge ausgedehnt werden."
(ur)

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