Fabric: Warum musste der berühmte Londoner Club wirklich schließen?

An den Sicherheitskontrollen kann es nicht gelegen haben. Ein Erfahrungsbericht

Der bekannte Club Fabric in London wurde von den Behörden geschlossen, nachdem dieses Jahr zwei Teenager an einer Überdosis Drogen gestorben waren. Laut Polizei seien die Sicherheitskontrollen nicht ausreichend gewesen. Unser Fotograf Raoul Becker hat das ganz anders erlebt.

Fabric London

Erst im Mai diesen Jahres war ich zuletzt im legendären Fabric Club im zentralen London. Kaum hatte man die Schlange überstanden, wurden wie oft in London die Personalausweise gescannt und abgespeichert und der Körper sehr genau abgetastet. Selbst Kaugummipackungen wurden weggeschmissen, aus Angst vor versteckten Drogen.

Die fünf Sicherheits Checkpoints waren zwar nicht so selektiv (wie z.B. im Berghain in Berlin), dafür aber darauf bedacht, alle mitgebrachten Drogen zu finden und zu konfiszieren. Zudem streiften ununterbrochen Lichtkegel kleiner Taschenlampen von Sicherheitsteams die Körper und Gläser der Feiernden, um den Konsum von Drogen im Club zu unterbinden.

Konsumenten wurden sofort des Clubs verwiesen und bekamen umgehend Hausverbot. Auf jedem Flyer des Fabric stand außerdem eine Null-Toleranz Warnung für Drogen. Die beiden einzigen Rückzugsorte eines Clubs: Toiletten und Raucher-Innehof sind ähnlich bewacht und hell erleuchtet. Selbst Pinkeln konnte man kaum, ohne eine Sicherheitskraft hinter sich zu haben. 

Wenn man das Berliner Technoleben gewöhnt ist, gleicht so eine Cluberfahrung einem Kulturschock und in Nachhinein fragt man sich, wie das Fabric-Team die Gäste noch besser hätte bewachen sollen. Zumal man nie weiß, wann und wo die beiden Opfer ihre Drogen eingeworfen hatten.

Es ist zu überlegen, ob nicht gerade so eine harte Überwachung zu Drogentoten führt, weil Leute, die was nehmen wollen, sich die Pillen dann, statt sie im Freundeskreis zu teilen, unauffällig im Gemenge und möglicherweise auch ohne Gefühl für die richtige Dosis ganz einwerfen. Oftmals funktioniert gerade im Club die soziale Kontrolle eben doch ganz gut.

Es mehren sich Stimmen, dass es bei der Schließung des Fabric gar nicht um Drogen gegangen war, sondern dass man im sündhaft teuren London das Gebäude anderweitig nutzen möchte und der Club ein paar Nachbarn störte. Zumindest sind die von der Polizei angeführten Indizien lediglich auf den Bericht eines Zivilpolizisten gestützt und bleiben dabei jeglichen Beweis schuldig. 

Auch das Berghain machte kürzlich international Schlagzeilen, weil Gerüchte über eine mögliche Schließung aufgrund von Gentrifizierung der Nachbarschaft auftauchten, diese entpuppten sich aber zum Glück als reiner Clickbait und Nonsens.

Ob bereits das letzte Wort im Fall Fabric gesprochen ist, ist noch nicht klar. Künstler und DJs aus der ganzen Welt solidarisieren sich mit dem Club, der der Londoner Szene seit 1999 eine Heimat bot und als einer der besten Technoclubs der Welt galt. Drum'n'Bass Urgestein Goldie kündigte den Verantwortlichen an, dass sie sich mit der Schließung keinen Gefallen getan haben und prophezeit, dass es irgendwann zu Massenkrawallen kommen werde, wenn man mehr und mehr kulturelle Freiräume aus der Stadt entferne.

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