Festivals: Alles Müll

Wer feiert kann auch aufräumen

Festivals sind der Inbegriff von Toleranz und Freiheit. Sie entwickeln sich aber auch immer mehr zur auf ein Wochenende verdichteten Realsatire unserer Wegwerfgesellschaft. 

The day after Bråvalla Rock Festival 2014 (Foto: Youtube / Screenshot)
Der Tag nach dem Bråvalla Rock Festival 2014 (Foto: Screenshot / Youtube)


Klar kannst du morgens um acht ein Bier trinken. Nein, du brauchst dieses Wochenende nicht zu duschen. Konservenfutter ist die neue Haute Cuisine. Was von der Gesellschaft ansonsten als verwerflich, falsch oder zumindest befremdlich betrachtet wird, ist auf Festivals die Norm.

Das ist alles schön. Ja, das ist sogar verdammt gut. Schließlich sind die Open-Air-Feten im Sommer genau für diesen Ausbruch aus dem Alltag gedacht. Aber scheinbar versinken manche während Southside, Deichbrand und Co. so sehr in der befristeten Anarchie, dass sie vergessen, dass es auch eine Welt nach den „drei Tagen wach“ gibt. Anders sind die Müllberge, mit denen die Veranstalter aller großen Festivals jedes Jahr zu kämpfen, haben jedenfalls kaum zu erklären.

„Das räumt schon jemand weg, hat ja die letzten Jahr auch geklappt“, werden sich die meisten wohl denken, wenn sie die günstige Gelegenheit nutzen, um das alte Sofa oder den Kühlschrank endlich loszuwerden. Ist ja auch viel einfacher es stehen zu lassen, als nach dem Feiern noch eben Sperrmüll zu beantragen und es selbst nach Hause zu schleppen.

Und das Zelt? Ja ach, das gab’s für schmale 30 Euro bei Aldi und für das nächste Festival wird einfach ein neues besorgt. Das ist dann wenigstens auch wieder sauber und trocken.

Solche Denkmuster sind bei vielen Festivalbesucher*innen leider völlig normal und tief verwurzelt. Die ganz Cleveren unter ihnen erklären das Zelt-stehen-lassen auch gerne mal zur Tradition. Und damit zum sehr verqueren Qualitätsmerkmal. Wie Von Wegen Lisbeth sagen würden: „Das muss dieser Untergang des Abendlands sein!“

Allein die Notwendigkeit eines Bestrafungssystems via Müllpfand sollte schon zu denken geben. Das Müll der Grund dafür ist, dass es einige Festival in Zukunft eventuell nicht mehr geben wird, erst recht! Das Lollapalooza-Festival in Berlin musste sich beispielsweise aus Sorge um die Grünfläche erstmal gegen eine Petition von Naturschützern durchsetzten, bevor die Veranstaltung im Treptower Park sicher stattfindet durfte.

Dabei ist es doch eigentlich ganz einfach: Man selbst darf gerne auf jedem Festival ein Wochenende durchsaufen und genüsslich verlottern. Aber man muss die Umwelt ja nicht zu Selbigem zwingen.

Also, die 30 Euro für das neue Aldi-Zelt nächstes Mal lieber direkt in Bier investieren, damit nicht nur den Veranstaltern, sondern auch den Zeltnachbar*innen eine Freunde machen und der Umwelt Gutes tun.

Glastonbury Festival 2016 - The day after

 

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