forward2business: Hoffen auf das Apple-Wunder

Beim Kongress forward2business in Halle trafen sich in den vergangenen zwei Tagen Macher aus der Musikindustrie, um sich über Wege in die Zukunft auszutauschen. Allgegenwärtiges Thema war auch hier der Apple Music Store, der noch in diesem Jahr auch nach Deutschland kommen soll.

Die Branche ist vereint, wenn es darum geht, Umsatzrückgänge zu beklagen. Ob Konzerne wie die Universal oder kleine Independentlabels: alle haben das Problem, dass immer weniger Musik gekauft wird.
Und alle wissen woran es liegt: hemmungsloses CD-Brennen und keine vernünftigen Bezahlangebote im Netz.

In einer launigen Zusammenfassung zur Entwicklung und Lage der Musikbranche wies der Spiegel-Autor Frank Patalong allerdings darauf hin, dass gegen P2P Tauschbörsen kein Kraut gewachsen ist und dass die Probleme der Branche auch ganz woanders und zwar wesentlich tiefer zu suchen seien.

Weitgehend einig waren sich auf dem Kongress alle Parteien über vieles: dass vor allem Independent Labels im Internet große Chancen hätten, ihre Musik innerhalb von treuen Communitys durch Abo-Angebote zu vertreiben (Dimitri Hegemann/Tresor Berlin); dass die großen Majorlabels mit ihren Superstars ein Problem haben werden, illegale Downloads ihrer Hitsingles einzudämmen; dass Apple einen zukunftsweisenden Schritt hin zu Bezahl-Downloads gemacht hat.

So wollen sich auch alle Labels am iTunes Music Store beteiligen und zwar so schnell es geht. Die Hoffnung auf neue Geldquellen reicht schon so weit, dass man auch kritisch nachfragen muss, ob man nicht schon wieder überzogene Erwartungen ans Internet stellt, die nur enttäuscht werden können. Denn nach wie vor ist nicht erwiesen, wie groß der Bedarf von Bezahl-Downloads im Internet wirklich ist und wie hoch die Umsätze sind, die dort erzielt werden können. Doch viele Musikmanager sehen Apple nicht als einzigen Hoffnungsschimmer.

Erst wenn alle Musikwebsites im Netz mit den kommenden kostenpflichtigen Musiktankstellen verknüpft seien, sieht Universal Marketing Manager Christopher Gersten eine echte Chance, den Musikvertrieb im Internet zu einem lukrativen Geschäft zu machen. Doch bis dahin hat auch seine eigene Download-Plattform Popfile.de noch jede Menge Hausaufgaben zu machen. Neben Album-Downloads sollen dort in Zukunft auch die Songs anderer Labels zu finden sein. Überhaupt sei jetzt keine Zeit für große Debatten, man müsse jetzt einfach mal unkompliziert machen und ausprobieren. Nur so werden man herausfinden, was geht und was nicht geht.

Dennoch hält Gersten einen Preis für Downloads zwischen 99 Cent und 1.49 Euro für eine ausgemachte Sache. Ob für umständliche Musik-Downloads ohne schöne Verpackung aber tatsächlich CD-Preise verlangt werden können, darüber sollte man vielleicht doch noch mal reden. Mit dem Universal-Künstler 50 Cent hätte sich jedenfalls Gelegenheit geboten, auch einmal andere Preismodelle unkompliziert auszuprobieren... .

Ausgerichtet wurde der Zukunftskongress vom Radiosender Sputnik im Rahmen der Turntabledays, die an diesem Wochenende in Halle stattfinden.(ur)

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