Frankreich sagt Formatchaos im Online-Musikgeschäft den Kampf an

Kopierschutzsysteme dürfen Käufer nicht in der Wahl ihres Musikplayers einschränken

Ein neues Gesetz verpflichtet Online-Musikshops in Frankreich zur Interoperabilität digitaler Musikformate. Für den Musikmarkt könnte die am Dienstag beschlossene Novelle des französischen Urheberrechts weitreichende Konsequenzen haben. Der Apple iTunes Musicstore steht nun in Frankreich vor dem Aus.

"Wenn jemand einen Song kauft, muss er ihn jederzeit anhören können, egal welches Gerät oder welche Software er dazu verwenden will", meinte ein Berater des französischen Kulturministers am Dienstag. Zuvor hatte sich die französische Nationalversammlung mit 296 zu 193 Stimmen mehrheitlich dafür ausgesprochen, dass proprietäre Kopierschutzsysteme im Online-Musikgeschäft für die Konkurrenz geöffnet werden müssen. Im Klartext heißt dies, dass geschützten Musikdateien in andere Formate umgewandelt werden dürfen und damit auch der Kopierschutz geknackt werden darf.

Dies trifft vor allem den Apple iTunes Music Store hart. Bislang konnten Tracks, die dort gekauft wurden, nur mit dem Apple Musikplayer iPod abgespielt werden. Zwar verwendet auch die Konkurrenz eigene Kopierschutzformate, mit dem Verkauf von Musik im iTunes Music Store konnte Apple jedoch seine Kunden auch an den hauseigenen Musikplayer iPod binden. Der wurde weltweit bislang immerhin 42 Millionen Mal verkauft.

Nun wird allgemein erwartet, dass sich der iTunes Music Store vom französischen Markt zurückzieht. Der Verlust wäre für das Unternehmen zu verkraften. Erlöse aus dem Verkauf von Downloads und Musikplayern in Frankreich belaufen sich in der Apple-Bilanz auf gerade einmal zwei Prozent. In einer ersten Stellungnahme teilte das Unternehmen mit, dass die Umsetzung des Gesetzes zu staatlich geförderter Piraterie führen würde. Der Verkauf legaler Musikangebote werde abstürzen, gab sich ein Apple-Sprecher gegenüber internationalen Medien indigniert.

Mit dem Gesetz, das noch den französischen Senat passieren muss, werden jedoch nicht nur Online-Musikshops zur Interoperabilität der Musikformate verpflichtet. Die französische Nationalversammlung legte auch den Strafrahmen für den nicht autorisierten Tausch urheberrechtlich geschützter Inhalte fest. Wer künftig in Online-Tauschbörsen Musik herunterlädt oder bereitstellt muss mit Strafen von 38 bis 150 Euro rechnen. Die Verbreitung von Software, die den unautorisierten Zugang zu geschützten Werken ermöglicht, kann mit bis zu drei Jahren Haft und einer Geldstrafe von bis zu 300.000 Euro belegt werden. (dx)

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