Frau Merkel, bitte übernehmen Sie!

Offener Brief der Musikwirtschaft zum Tag des geistigen Eigentums und die Antwort der Kanzlerin
Die vor kurzem beschlossenen Änderungen des Urheberrechts gehen der Musikindustrie – wie berichtet – nicht weit genug. Anlässlich des "Tages des geistigen Eigentums" forderten prominente Musiker und Kunst-Schaffende deshalb in einem offenen Brief Bundeskanzlerin Angela Merkel auf, den Schutz geistigen Eigentums zur "Chefsache" zu erklären.

In dem Brief, der als ganzseitige Anzeige in drei großen deutschen Tageszeitungen abgedruckt wurde, werfen die Unterzeichner der Bundesregierung Untätigkeit vor und fordern: "In China setzen Sie sich vorbildlich für die Interessen der deutschen Industrie beim Thema Produktpiraterie ein. Bitte tun Sie das auch in Deutschland für mehr Respekt vor dem Schutz geistigen Eigentums."

Insbesondere die Provider sollen – so der Wunsch der Unterzeichner - zukünftig in die Pflicht genommen werden, schließlich "entfallen allein 70 Prozent des Internetverkehrs in Deutschland auf die – leider meist illegale – Tauschbörsennutzung. Aber während beispielsweise die milliardenschwere Telekommunikationsindustrie massiv von der Nutzung illegaler Inhalte profitiert, verweigert sie beim Schutz geistigen Eigentums die Verantwortung."

Die Kanzlerin solle sich ein Beispiel an Frankreich und England nehmen, "dort sind Internetprovider sowie die Musik- und Filmindustrie aufgefordert, unter staatlicher Aufsicht gemeinsam mit Verbraucher- und Datenschützern Verfahren zum fairen Ausgleich der Interessen aller Beteiligten zu entwickeln." In beiden Ländern sind Gesetze in Arbeit, die es ermöglichen sollen, bei wiederholten Verstößen gegen das Urheberrecht einzelnen Nutzern den Zugang zum Internet komplett zu verweigern!

Dabei möchten die Unterzeichner des Briefes ihren Appell nicht nur als Schutz ihrer eigenen, nicht unbeträchtlichen Pfründe verstanden wissen: "Während etablierte Künstler noch von den Erfolgen der Vergangenheit zehren können, trifft die Internetpiraterie vor allem junge Nachwuchstalente." Zu den Unterzeichnern des Briefs gehören unter anderem DJ Ötzi, Herbert Grönemeyer, Juli, Udo Jürgens, LaFee, Scooter und Atze Schröder.

Bundeskanzlerin Merkel äußerte sich am Wochenende in ihrem Videoblog zum Thema und zeigt Verständnis für das Anliegen der Künstler.



Florian Schneider / Tonspion.de

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