Freie Musik: Darf ich Musik aus dem Tonspion für meine Videos verwenden?

Unsere Antwort auf die am häufigsten gestellte Frage.

"Darf ich Musik aus dem Tonspion für meine Videos verwenden?", diese Frage erreicht uns derzeit am häufisten, fast schon täglich. Hier unsere kurze Erläuterung dazu.

Im Web stehen heute jedem Tools zur Verfügung, die einem beim Produzieren und Veröffentlichen von eigenen Werken helfen. Nur die rechtliche Situation ist häufig noch völlig unklar, wenn es um die Verwendung von Werken anderer, z.B. Musik geht. Darf Musik aus dem Tonspion für eigene Urlaubsvideos eingesetzt werden? Kann ich für ein Schulprojekt Musik aus dem Tonspion verwenden?

Wir sind keine Rechtsberatung, deshalb können wir für dieses komplexe Themengebiet auch nur ein paar Erfahrungswerte weitergeben und nicht auf jedes Detail eingehen.

Vorab: jedes kreative Werk ist in Deutschland vom Urheberrecht geschützt. Man muss dafür nichts anmelden oder eintragen. Ein Musikstück ist ab dann urheberrechtlich geschützt, wenn man es zum ersten Mal aufgenommen oder aufgeführt hat. Das heißt aber auch, man darf ein Musikstück anschließend nicht einfach verwenden, verfremden oder weiter bearbeiten. Das widerspricht zwar völlig der in den letzten Jahren gewachsenen Mash-Up-Kultur, ist in Deutschland aber nach wie vor geltendes Recht. So mancher Künstler pfeift darauf und lässt sich nicht davon hindern, Musik neu zu bearbeiten und in einen anderen Zusammenhang zu stellen. Und nicht jeder Urheber bzw. Komponist hat da etwas dagegen. Wo kein Kläger, da kein Richter, so lautet die bekannte Devise. Doch selten kann man bei Musik einschätzen, wie ein Künstler oder Label reagiert, wenn man ihre Musik verwendet. Als Faustregel lässt sich sagen: je populärer und bekannter ein Song ist, desto sensibler werden die Rechteinhaber.

Große Vorteile hat dieser starke Urheberschutz dann, wenn man sich vor Missbrauch oder Vereinnahmung schützen will. Könnte z.B. die NPD für einen Wahlwerbespot einfach Musik von - sagen wir - Grönemeyer verwenden, ohne ihn vorab zu fragen, wäre das sicherlich absurd. Aber auch Videos, die man nur mal eben auf YouTube hochladen will für seinen Bekanntenkreis, gehören mit dazu. Der Urheber muss die Möglichkeit haben, zu bestimmen, was mit seinem Werk geschieht, wo und wie es zu hören ist, ob er eine Bearbeitung gestattet oder untersagt. Sofern das im Einzelfall gar nicht möglich ist, springen Verwertungsgesellschaften wie die GEMA (Komponisten) oder die GVL (Interpreten) ein, die dieses Recht stellvertretend wahrnehmen und Musik z.B. für Radio, Clubs oder Live-Aufführungen gegen Zahlung von pauschalen Gebühren lizenzieren. 

Insofern ist der Einsatz von Musik von der Lieblingsplatte oder auch von kostenlos angebotenen Downloads aus dem Tonspion dann nicht sauber, wenn es den privaten Rahmen (z.B. für die Vorführung der Urlaubsbilder in den eigenen vier Wänden oder die Präsentation im Klassenzimmer) sprengt und eine Öffentlichkeit erreicht. Und Internet ist immer öffentlich.

Es liegt im Ermessen des Einzelnen, ob er sich daran hält oder das Risiko in Kauf nimmt, dass sein Video gesperrt wird oder er im Extremfall sogar eine kostenpflichtige Abmahnung riskieren will. Das Risiko hierfür steigt natürlich, je populärer das eigene Werk wird, je mehr es sich herumspricht. Manchmal nimmt man das Risiko auch bewusst in Kauf, um etwa einen "Deal" zu erzwingen, so etwa die Jungs, die 2010 Lenas "Satellite" zur WM-Hymne "Schland o Schland" umgewandelt haben, ohne vorab zu fragen. Am Ende hatten sie einen Plattenvertrag und einen Auftritt bei Stefan Raab in der Tasche, weil der Song so populär wurde, dass der Erfolg auch juristisch gar nicht mehr aufzuhalten gewesen wäre. Umgekehrt dürften sie mit ihrer Bearbeitung aber trotzdem nicht viel verdient haben, denn legal war ihre Version ursprünglich nicht. Sonst könnte sich schließlich jeder Trittbrettfahrer recht einfach an den mühsam erarbeiteten Erfolg anderer dran hängen. Es ist am Ende natürlich auch eine Frage der Kreativität (und des Geldes) und nicht nur von Paragrafen.

Es gibt aber auch eine risikofreie Alternative: Creative Commons.
Hier haben sich Urheber angemeldet, die ausdrücklich wünschen, dass ihre Werke weiter verwendet oder sogar bearbeitet werden können, ohne ausdrücklich im Einzelfall die Genehmigung einholen oder Geld dafür bezahlen zu müssen. Das sind in der Regel keine bekannten Songs, was aber natürlich nicht heißt, dass es nicht genügend tolle Musik unter CC-Lizenz gibt. Sie wird meistens nur nicht kommerziell vermarktet.

Nachfolgend eine Liste von Anbietern, die solche Musik anbieten, die man völlig risikofrei für seine eigenen Videos oder Präsentationen, für Remixe oder Mash-Ups einsetzen darf:

ccMixter

Free Music Archive

Jamendo

Magnatune

Simuze

BeatPick

CASH Music

SectionZ

Opsound

Podsafe Audio

AudioFarm

Internet Archive’s Netlabels Collection

    Wer weitere Tipps oder Ergänzungen hat, kann sich gerne bei uns melden übers Kontaktformular.

    Weitere Infos über Creative Commons findet ihr auf der deutschen Homepage der Organisation.

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