Fünf Punkte zur Rettung der Musikbranche

Marktforscher fordern Neuausrichtung
Nachdem in Großbritannien die Zahl der verkauften Downloads erstmals wieder rückläufig ist, wird der Ruf nach einer Neuausrichtung des Musikgeschäfts lauter. Zwei Marktforschungsunternehmen fordern nun rasches Umdenken.

Die Experten von Music Ally und The Leading Question formulierten fünf Punkte, wie die Musikbranche auch im Internet erfolgreich Umsätze erwirtschaften könnte. Dies bedeute aber auch eine Abkehr von den bisherigen starren Geschäftsmodellen, die noch zu häufig auf überholten Annahmen aus der Tonträger-Ära stammten. Hier die Empfehlungen der Experten:


1. Musik muss mit anderen Produkten gebündelt werden: Musik soll nicht mehr nur als gelegentlicher Download verkauft , sondern als Bundle zum Beispiel auf vorgefüllten MP3 Playern oder im Mobilfunktarif oder in Verbindung mit einer Internet/TV-Flatrate angeboten werden.

 

2. Labels müssen mit neuer Veröffentlichungspolitik experimentieren: Das alte Modell der Single und Album-Veröffentlichungen muss vollkommen überdacht werden. Radiohead, Nine Inch Nails oder Prince haben - zumeist auf eigene Faust - mit neuen Formaten, Preismodellen, Veröffentlichungszeitplänen oder Partnerschaften mit Marken den Weg in die Zukunft gewiesen.

 

3. Kostenlos heißt nicht umsonst: Die Musikindustrie soll sich nicht vor dem Wort "kostenlos" fürchten. Die Internetkultur basiert auf dem Gefühl, dass es kostenlos ist. Aber Geld kann auch darin verdient werden. Allerdings eben nicht, in dem man es kostenpflichtig für die Nutzer macht, sondern indem man andere Geldquellen sucht, wie werbefinanzierte Dienste, Marken, die für die Verbindung mit einem Künstler auch zahlen oder Zeitungen, die für CD-Beilagen Geld bezahlen.

 

4. Die Charts müssen verändert werden: In Zeiten, in denen kaum noch Musik gekauft wird, machen die Verkaufscharts keinen Sinn mehr. Vielmehr müsste man auch herausfinden, welche Musik am häufigsten gehört wird.

 

5. Vertraue dem DJ: Online heißt, jeder kann theoretisch alles an Musik besitzen. Umso bedeutender wird es, vertrauensvolle Führer durch die Musikszene zu haben, so wie John Peel früher im Radio selbst noch abstruseste Musik für neue Hörer erschlossen hat. Die Musikbranche muss sich diesen Anwälten des Wertvollen öffnen, um ihre Musik an den Mann und die Frau zu kriegen.


 

Udo Raaf / Tonspion.de

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