GEMA-Gebühr für Podcasts

Der Tonspion Wochenrückblick

Im Internet ist ein alter Song von Tokio Hotel aufgetaucht, die Gema will Gebühren für Podcasts und warum der iPod ein Friedhof für MP3 Files ist.

Die Gesellschaft für musikalische Aufführungs- und mechanische Vervielfältigungsrechte (GEMA) will offenbar eine Gebühr für Podcasts einführen. Beim Podcastday 2006 stellte GEMA-Sprecher Urban Pappi ein entsprechendes Modell vor. Bisher gibt es keine klare Regelung für den Umgang mit GEMA-pflichtiger Musik in Podcasts. Beim anwesenden Publikum stieß die Idee der GEMA auf wenig Gegenliebe. Denn bereits kurze Ausschnitte aus Musikstücken sollen den Podcaster 5 Euro kosten, ein ganzer Song bei einer wöchentlichen Ausgabe 10 Euro und bei einem täglichen Podcast 30 Euro. Da die meisten Podcaster keine Einnahmen erzielen, könnte das dazu führen, dass viele ihr Hobby wieder aufgeben. Die Gebühr soll bereits im Sommer eingeführt werden. Die Einnahmen werden allerdings einmal mehr die GEMA-Topverdiener wie Ralph Siegel oder Dieter Bohlen einstreichen. Denn es wird wohl nicht im Einzelfall ermittelt, welche Songs gespielt werden.

Auch Tokio Hotel könnten an einer Podcast-Gebühr ordentlich mitverdienen. Nichts verdienen sie aber wohl derzeit an einem alten Stück aus dem Jahr 2002. Mit "Grauer Alltag" hatte sich die Band damals an einem Band-Wettbewerb beteiligt. Jetzt hat der Ausrichter des Wettbewerbs, das Magdeburger Jugendprojekt Lebensrausch.com, den Song ganz stolz auf seinen Seiten als MP3 veröffentlicht. Die Band des damals 12-jährigen Bill Kaulitz hieß damals noch Devilish. Der Song zeigt durchaus schon einen eigenen Stil, klingt aber natürlich noch nicht so ausgereift, wie ihre neuen Songs. Deshalb dürfte er wohl auch auf den iPod-Festplatten der Fans versauern.

Wie übrigens die meisten Songs, die auf den riesigen Festplatten des beliebten MP3 Players gespeichert werden. Denn ein Mitarbeiter von Sun Microsystems hat herausgefunden, dass rund 64 Prozent der auf einem iPod gespeicherten Songs niemals abgespielt werden. Dabei werden im Schnitt "nur" 3500 Songs von jedem iPod-Besitzer gespeichert, obwohl das Gerät bis zu 15 000 MP3s speichern kann. Eine weitere mehr oder weniger erstaunliche Erkenntnis der Untersuchung: von den 3500 gespeicherten Titeln sind durschnittlich nur 72 beim iTunes Music Store erworben worden. Eine geradezu verschwindend geringe Zahl im Umlauf befindlicher MP3s. Die Untersuchung ist zwar nicht repräsentativ, doch zeigt sie mehr als deutlich, dass dem Wachstum sowohl hinsichtlich der Festplatten-Kapazität, als auch der Downloadshops deutliche Grenzen gesetzt sind. (ur)

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