GEMA kills music?

Verwertungsgesellschaft bremst Online-Musik aus
Die Wege der GEMA im Internet sind unergründlich. Nun hat die GEMA angekündigt intensiv nach unangemeldeten Musik-Downloads zu forschen. Der Haken an der Sache: niemand kann die geforderten GEMA-Gebühren für free Downloads bezahlen. Aber es gibt Alternativen.

Die GEMA ist die Verwertungsgesellschaft der Urheber und verfolgt eigentlich die löbliche Aufgabe, den Komponisten und Textdichern ihre zustehenden Tantiemen zukommen zu lassen. Für jede verkaufte CD, jeden im Radio gespielten Titel und jeden im Club eingesetzten Track sind GEMA-Gebühren zu entrichten, die abzüglich des bürokratischen Aufwands direkt in die Taschen der Urheber fließen. So weit so gut.

Doch im Internet streiten sich die diversen Interessensgruppen derzeit um die Höhe der GEMA-Gebühren. Deshalb hat die GEMA in einem vorläufigen Papier festgelegt, dass pro Download eines Musikstücks 30 Cent fällig werden. Und zwar unabhängig davon, ob es sich um einen Kaufdownload bei iTunes oder einen kostenlosen Download auf der Seite des Künstlers handelt. So weit so schlecht!
Denn die Konsequenz aus dieser Regelung lautet: Gratis Musik ist schlichtweg nicht bezahlbar, da die Kosten für den Anbieter völlig unkalkulierbar sind.

Selbst Streams von mehr als 10 Cent pro Aufruf fällig. Woher das Geld bei kostenlosen Angeboten kommen soll - die ja der Werbung für Veröffentlichungen dienen - ist die große Frage.

Vor allem kleine Labels nutzen das Internet inzwischen intensiv und erfolgreich, um ihre Musik dem interessierten Publikum zu präsentieren, die weder im Radio noch im TV gespielt wird. Tausende von Downloads sind dabei schnell gemacht. Und somit laufen genau diese unabhängigen Labels Gefahr von der GEMA, als Vertreter der Urheber, in den finanziellen Ruin getrieben zu werden.
Lediglich die großen etablierten Urheber, deren Werke sowieso massenhaft in den diversen Download-Shops verkauft werden - und das sind die wenigsten - profitieren von dieser Regelung, während die unbekannteren Songschreiber, die im Internet endlich die Chance hatten, ihre Werke zu Gehör zu bringen, ausgerechnet nicht mehr gespielt werden sollen.

Doch im Internetzeitalter gibt es immer auch Lücken, wie man das Problem umgehen kann. In anderen Ländern ist die Vertretung der Urheber bei Weitem nicht so mächtig wie in Deutschland. Deshalb ist zu erwarten, dass zahlreiche Labels versuchen werden, ihre Streams und Downloads bei ausländischen Anbietern unterzubringen, etwa bei MySpace.com/music oder Download.com. Diese Anbieter sind auf kostenlose Promotion-Downloads spezialisiert und haben sich damit zu den meistfrequentierten Seiten im Internet entwickelt.

In Deutschland wäre ein solches Geschäftsmodell bei den derzeitigen GEMA-Ansprüchen schlichtweg nicht zu realisieren. Einmal mehr läuft Deutschland auch hier der Entwicklung melenweit hinterher. Und es wird voraussichtlich lange dauern, bis es auch hier zu klaren und wirtschaftlich vernünftigen Regelungen kommen wird, die auch kostenlose Musikangebote im Netz ermöglicht. Und ein Wachsen von kreativen Plattformen für Musik jenseits der Konzerne befördern, statt zu behindern. Bis dahin bleibt einem nichts anderes übrig, als in der Grauzone zu operieren. Genau so wie in den letzten fünf bis zehn Jahren schon. Du bist doof, Deutschland. (ur)

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