GEMA will Geld für eingebettete Videos

Verwertungsgesellschaft will künftig auch bei Musikblogs abkassieren

Ist der Ruf erst einmal ruiniert... nach diesem Motto verfährt die GEMA seit einiger Zeit im Netz. Jetzt äußerte die Sprecherin der GEMA die Idee, für eingebettete Videos Gebühren von den Seitenbetreibern zu verlangen. Damit stünden unzählige Musikmagazine und Blogs vor dem Aus.

Gegenüber dem IT-Magazin Golem sagte GEMA-Sprecherin Ursula Goebel wörtlich: "Einfache Hyperlinks sind keine relevante Nutzungshandlung. Ohne diese würde das Internet nicht funktionieren. Embedded Content, bei dem für den Nutzer nicht klar ist, dass die Datei von einer anderen Seite stammt, sollte hingegen lizenziert werden."

Damit soll künftig nicht nur YouTube zur Kasse gebeten werden, die die Videos bereitstellen, sondern auch die Seitenbetreiber, die diese Videos auf ihren Seiten oder auf Facebook zeigen. Allerdings handelt es sich hier zunächst nur um einen frommen Wunsch der GEMA, denn derzeit berät die EU-Kommission über die Zukunft des Urheberrechts im europäischen Raum.

Die Konsequenz für kostenpfichtige Videos wäre, dass viele Blogs und Magazine dicht machen könnten, denn verdienen lässt sich mit eingebundenen Videos derzeit herzlich wenig. Letztlich empfehlen Blogs und Magazine ihren Lesern Musik von Künstlern, die dann eine erhöhte Aufmerksamkeit bekommen und auf diese Weise mehr Einkommen generieren. Wenn man diese Videos nun mit Gebühren belegt, beißt sich die Katze in den Schwanz.

Wer sich an der Diskussion um die Zukunft des Urheberrechts beteiligen möchte, hat derzeit die Möglichkeit, einen Fragebogen der EU-Kommission auszufüllen und seine Sicht der Dinge darzulegen. Angesichts des Vorstoßes der GEMA ist damit zu rechnen, dass viele Blogger davon Gebrauch machen.

Was ist die GEMA?
Die Gema ist eine Verwertungsgesellschaft, die die Nutzungsrechte stellvertretend für die Komponisten und Texter von Musik wahrnimmt. Sie treibt Gelder ein, wann immer Musik gespielt wird und lässt es den GEMA-Mitgliedern, also Komponisten und Textern, nach einem komplizierten Verteilungsschlüssel zukommen. Obwohl die GEMA in Deutschland als Verein gilt, besitzt sie de facto ein Monopol: wer nicht Mitglied der GEMA ist, kann derzeit als Komponist nichts mit seiner Musik verdienen, denn das Geld für die Nutzung einer Komposition selbst einzutreiben, ist ohne großen Verwaltungsapparat nicht zu bewerkstelligen.

In den letzten Jahren war die GEMA durch ihr Wirken im Netz extrem umstritten, vor allem durch ihren langjährigen Streit mit Youtube um die Höhe der GEMA-Gebühren für Musikvideos. Youtube sperrt seitdem in Deutschland die meisten Musikvideos, weil man sich bisher nicht einig werden konnte. Im vergangenen Jahr hatte die GEMA durch eine radikale und mittlerweile teilweise wieder zurückgenommene Reform ihrer Tarife für Clubs und DJs für Negativschlagzeilen gesorgt.

Youtube GEMA-Sperre umgehen

GEMA für DJs: Die neuen Tarife

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