GEMA: Wird Ausgehen wird ab 2013 teurer?

Massiver Widerstand gegen die neuen Veranstaltungstarife der GEMA

Die GEMA hat ab 1.1.2013 neue Tarife für Veranstaltungen angekündigt. Was unter dem Schlagwort "Vereinfachung" kommuniziert wird, ist offenbar für zahlreiche Clubs existenzgefährdend. 

Die GEMA-Tarife für Veranstaltungen seien zu komplex und unausgewogen, deshalb habe man die Tarife reformiert, so die GEMA auf ihrer Homepage. Statt elf soll es künftig für alle Veranstaltungen nur noch zwei Tarife geben: einen für Veranstaltungen mit weniger als zwei Euro Eintritt und einen für mehr Eintritt. Darüber hinaus ist die Veranstaltungsfläche entscheidend für die Höhe des Tarifs. 

Die GEMA rechnet vor: 
"Der Veranstalter eines Sommerfestes mit 300 Quadratmetern Fläche und 3 Euro Eintritt bezahlt zukünftig 90 Euro statt heute 192,80 Euro. Selbst bei 700 Quadratmetern und 7 Euro Eintritt werden zukünftig nur 490 statt heute 668,90 Euro anfallen. Eine Gala-Veranstaltung mit Live-Musik in einem Ballsaal dagegen kostete bei 1.500 Quadratmetern und 60 Euro Eintritt bisher 1.470,70 Euro, ab dem Januar 2013 aber 9.000 Euro – bei einem Umsatz aus Eintrittsgeld von 90.000 Euro."

Offenbar hat die GEMA ihre schöne Rechnung aber ohne jene Beispiele gemacht, die künftig deutlich mehr kosten werden. Und davon scheint es eine ganze Menge zu geben:

"Weitere Tarifänderungen führen zum Wegfall von Nachlässen (z.B. beim Abschluss eines Jahrespauschalvertrages) sowie zu weiteren Zuschlägen. So erhöhen sich die oben genannten Veranstaltungen um weitere 50 Prozent, wenn Musik länger als fünf Stunden gespielt wird. Die GEMA-Gebühren für eine Abendveranstaltung mit Musik, die um 19:30 Uhr beginnt, würden sich dann ab 0:30 Uhr nochmals deutlich verteuern. Discotheken, deren Veranstaltungen in der Regel von 22 bis 5 Uhr laufen, sind besonders betroffen. Ihnen drohen Erhöhungen von durchschnittlich 400 Prozent (6 Euro Eintritt, 200 qm Fläche) bis zu 1.400 Prozent (15 Euro Eintritt, 500 qm Fläche). Das ist definitiv existenzgefährdend."

Die Antwort der GEMA auf solche Rechenbeispiele: "Wer künftig 500 Prozent mehr abführt, hat in der Vergangenheit eben auch 500 Prozent zu wenig bezahlt". Es ist die Antwort eines Monopolisten, der nach Gutdünken seine Preise festlegen kann, da es keine Alternative gibt. Die GEMA ist die Verwertungsgesellschaft der Komponisten und treibt deren Tantiemen ein, wo immer Musik gespielt wird. Fast jeder Komponist, der Geld mit seiner Arbeit verdienen möchte, ist Mitglied bei der GEMA. Zu welchen Konditionen Musik wann und wo gespielt werden darf, entscheidet die GEMA bzw. ihre Mitglieder weitgehend selbst. Und die haben natürlich alle ein gemeinsames Interesse: mehr Geld zu verdienen.

Am Ende würde sich diese Tarifreform aber deutlich bei den Eintrittspreisen bemerkbar machen. Viele Clubs befürchten das Aus, wenn sie ihre Räume nicht mehr voll kriegen aufgrund der höheren Preise.

Aber ganz so weit ist es noch nicht: Die GEMA hat der DEHOGA (Verband der Gaststätten) einen runden Tisch angeboten, um über die neuen Tarife zu reden. Sie scheinen also erstmal reine Verhandlungssache zu sein und noch keinesfalls in Stein gemeißelt. Natürlich geht es der GEMA darum, in Zeiten von fallenden Umsätzen mit dem Verkauf von Musik, auf diese Weise mehr Geld für die Komponisten und Textdichter zu erwirtschaften. Zu diesem Zweck ist sie schließlich gegründet worden. Da kommen die Erfolge vieler großer Clubs gerade Recht, um ordentlich mitzuverdienen. Warum die DEHOGA nun eine öffentliche Hetz-Kampagne gegen die GEMA gestartet hat, statt zuerst über diese unausgegorene Tarifreform zu verhandeln, bleibt vorerst ihr Geheimnis. Jedenfalls ist das Thema sehr komplex, je nachdem aus welcher Perspektive man es betrachtet. Zu komplex vermutlich, um mit zwei Einheitstarifen einen gerechten Ausgleich zu schaffen.

Ausführliche Informationen zur Problematik durch die GEMA Tarifreform ab 01.01.2013 gibt es hier:
 
Die neuen Tarife der GEMA:
 
Die Position des Bundesverbands der Gaststätten:
 
Tarifrechner zu den neuen GEMA Tarifen:
 
Onlinepetition mit Pro und Contra-Debatte:
 
Pressemitteilung der Initiative GEMA 2013:
 
Statements von den Clubs Watergate/Berlin und Distillery/Leipzig:
http://www.groove.de/2012/04/26/streit-um-neue-gema-tarife/
 
Ihr seid Veranstalter oder Clubbetreiber? Wie wirkt sich die GEMA-Reform auf euren Club aus? Hinterlasst uns einen Kommentar oder schreibt uns eine Mail

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