Gesetz soll das Hacken von Tauschbörsen legalisieren

Jetzt macht Howard Berman ernst: Der kalifornische Kongressabgeordnete hat diese Woche einen Gesetzentwurf vorgestellt, mit dem Musik- und Filmindustrie im Netz Selbstjustiz üben dürften.

Da hat man zufällig einen Song der eigenen Garagenband auf der Festplatte, der den Titel "Like a prayer" trägt - und dann dass: Jedes mal, wenn man versucht, sich ins Internet einzuwählen, stürzt der Rechner ab. Den Provider hat man schon um Hilfe gebeten, doch der hat nur etwas merkwürdiges von "Denial of Service-Angriffen" gemurmelt, und erklärt, dass er da auch nichts weiter tun könne.

So oder so ähnlich könnte die Zukunft für Filesharing-Freunde aussehen, wenn der jetzt vom kalifornischen Kongressabgeordneten Howard L. Berman vorgestellte Gesetzentwurf zur Verhinderung der Tauschbörsen-Piraterie verwirklicht wird. Das Gesetz soll Rechteinhaber nämlich vor Schadensersatzansprüchen bewahren, wenn sie mit Hacker-Methoden in Tauschbörsen gegen den Vertrieb ihrer Werke zu Felde ziehen.

Bereits vor seiner Vorstellung stieß das Gesetz auf große Kritik. So erklärte Streamcast, die Firma hinter den Gnutella-Client Morpheus, das Gesetz wende sich "gegen Konsumenten und gegen Innovation". Und Will Rodger von der Computer and Communications Industry Association erklärte gegenüber Cnet News.com: "Wenn ich eine illegale MP3-Datei auf meinem Rechner habe, bekommt Hollywood [mit dem Gesetz] einen Freifahrtschein für Schäden in Höhe von 50 Dollar. Wenn ich 50 illegale Mp3s auf meinem Computer habe, kann Hollywood ihn komplett zerstören."

Erwartungsgemäß zustimmend fiel dagegen die Reaktion der Recording Industry Association of America (RIAA) aus. RIAA-Chefin Hillary Rosen erklärte dazu: "Die derzeitige Online-Musik-Landschaft ist gefährlich einseitig, wobei die Peer to Peer-Piraten einen unfairen Vorteil genießen. Es macht Sinn, die existierenden Gesetze eindeutiger zu fassen, um sicherzustellen, dass Copyright-Inhaber wenigstens in der Lage sind, sich gegen die massenhafte Piratisierung ihrer Werke zur Wehr zu setzen."

Die Aussichten, dass das Gesetz in naher Zukunft verabschiedet wird, sind allerdings eher gering. Die jetzige Kongressperiode endet nämlich bald. Das Gesetz müsste also vom 104. Kongress wieder aufgenommen werden, und der beginnt erst 2003. (jr)

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