Gipfeltreffen

Musikindustrie fordert Unterstützung der Bundesregierung im Kampf gegen Internetpiraterie
Wenige Wochen vor dem G8-Gipfel in Heiligendamm traf Bundeskanzlerin Merkel in Berlin mit Vertretern der IFPI (International Federation Of The Phonographic Industry) zusammen. Im Fokus des Gesprächs stand die Verbesserung des Schutzes vor Internetpiraterie und Raubkopien. Darüber hinaus plädierte der Verband für eine Verlängerung der Schutzfristen für Popmusik.

Seit dem Jahr 2000 sind die Einnahmen aus dem Tonträgermarkt in Deutschland um 50% gesunken. Schuld an der rasanten Talfahrt der hiesigen Musikindustrie sind laut Vertretern der IFPI die hohe Zahl an illegalen Downloads und Raubkopien. Auf einen legalen Download kommen in Deutschland 14 illegale.

Zur Eindämmung dieser Problematik stellt die IFPI der Kanzlerin konkrete Forderungen: So sollen Internet Service Provider zukünftig dazu verpflichtet werden, Verträge mit Usern zu kündigen, die urheberrechtlich geschützte Inhalte online stellen. Das Brennen von CDs soll nur noch für Besitzer von Original-CDs erlaubt werden. Kopien durch Dritte sollen komplett untersagt werden. Neben dem verstärkten Kampf gegen Internetpiraterie in der EU und an der deutsch-tschechischen Grenze im besonderen ? hier werden jedes Jahr 30- 40 Millionen Euro durch Raubkopien umgesetzt - forderte die IFPI eine Angleichung der Schutzfristen für Popmusik an amerikanische Verhältnisse.

Stellvertretend für 27.000 Unterstützer stellte Udo Jürgens der Kanzlerin eine Petition vor, die sich für eine rückwirkende Ausweitung der Schutzfristen auf 95 Jahre stark macht. Bisher erlischt das exklusive Vervielfältigungs- und Verbreitungsrecht nach 50 Jahren. Hintergrund dieser Forderung ist die Tatsache, dass in den kommenden Jahren nicht nur die Schutzfristen für frühe Aufnahmen von Udo Jürgens ablaufen. Auch Paul McCartney, dessen Vermögen sich auf mehr als eine Milliarde Euro beläuft, und andere Veteranen der Rockmusik sehen sich mit dem Ende der Schutzfrist für ihre frühen Werke einer bequemen Einnahmequelle beraubt.

Internationale Rechtexperten und Ökonomen stehen der Forderung nach einer Verlängerung der Schutzfristen ablehnend gegenüber, wie Golem. de berichtet. Die meisten Werke, für die in den nächsten Jahren die Frist abläuft, seien kaum noch erhältlich. Durch eine rückwirkende Verlängerung der Schutzfrist würde ein Großteil der Artefakte des 20. Jahrhunderts weiterhin der Öffentlichkeit vorenthalten. (fs)

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