Gnutella 2 ist da - oder doch nicht?

In den letzten Wochen sorgte das Filesharing-Programm Shareaza für Aufregung in der Tauschbörsen-Welt. Laut seinem Programmierer unterstützt die aktuelle Beta-Version der Software das Gnutella 2-Protokoll, das weitaus leistungsfähiger sein soll als sein Vorgänger. Doch die Entwickler anderer Gnutella-Programme wollen davon nichts wissen.

Gnutella 2 basiert laut Shareaza auf einem komplett neuen Protokoll, das mit seinem Vorgänger nur noch wenig gemein hat. So wurde unter anderem die Verteilung der Suchanfragen optimiert. Dadurch sei es problemlos möglich, tatsächlich jeden mit dem Netzwerk verbundenen Client zu durchsuchen. Gleichzeitig sei das damit verbundene Datenaufkommen drastisch reduziert worden.

Diese Ankündigung ließ viele Tauschbörsen-Nutzer aufhorchen. Gnutella hat bisher vor allen Dingen ein Problem: Obwohl bis zu 150 000 Nutzer gleichzeitig mit dem Netz verbunden sind, erreichen die eigenen Suchanfragen meist nicht mehr als 2000-3000 andere Clients. Danach wird eine Suche automatisch verworfen. Dies geschieht unter anderem, weil ein unkontrolliertes Weiterleiten der Suchanfragen zu einem riesigen Datenaufkommen führen würde - ein totaler Datenstau wäre die Folge. Mit diesem begrenzten Horizont kann Gnutella allerdings nicht mit Programmen wie KaZaA konkurrieren, die oftmals weit mehr Suchergebnisse liefern. Die Folge: KaZaA und Co. werden heute von fast vier Millionen Menschen gleichzeitig genutzt.

Trotzdem sorgte die Shareaza-Ankündigung in der Gnutella-Entwickler-Gemeinde nicht gerade für Begeisterungsstürme. Grund dafür ist weniger die Idee selbst, als vielmehr die Vorgehensweise des Shareaza-Entwicklers. Gnutella war bisher immer ein Gemeinschaftswerk, das von Firmen wie Limewire und Bearshare gemeinsam mit Hobbyisten entwickelt wurde. Viele von ihnen haben jetzt das Gefühl, dass Shareaza den guten Namen ihres Projekts für einen Alleingang missbraucht.

Außerdem argumentieren einige Entwickler auf der Mailingliste des Gnutella Development Forums (GDF), man habe die gleichen Ziele auch durch Verbesserung des alten Protokolls erzielen können. Die Zukunft des Gnutella 2-Protokolls ist damit fraglich. Zwar scheint Shareaza derzeit sehr viele Neugierige anzuziehen. Doch es ist gut möglich, dass diese früher oder später wieder bei KaZaA & Co. landen. (jr)

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