Grokster macht dicht

Tauschbörse gibt Druck der Musik- und Filmindustrie nach
Die Online-Tauschbörse Grokster ist Geschichte. "Es gibt legale Services um Musik und Filme aus dem Netz zu laden. Grokster gehört nicht dazu", ist seit Montag ist auf der offiziellen Website der P2P-Anwendung zu lesen.

Nach einem Urteil des obersten US-Gerichtshof vom Juni dieses Jahres, wonach Tauschbörsen für die Urheberrechtsverletzungen ihrer Nutzer zur Verantwortung gezogen werden können, war die populäre Tauschbörse unter Druck geraten. Die Grokster-P2P-Software wird nun nicht mehr angeboten. Unter dem Namen Grokster 3G soll jedoch bald ein legitimes Service entstehen, heißt es in einer kurzen Mitteilung auf der Seite der Online-Tauschbörse weiter. Der laufende Rechtsstreit mit der Musik- und Filmindustrie wurde damit beigelegt. Der Vergleich sieht auch vor, dass Grokster umgerechnet 42,3 Millionen Euro wegen Urheberrechtsverletzungen zahlen muss.

Der Chef des US-Musikindustrieverbandes RIAA, Mitch Bainwol, zeigte sich in einer ersten Reaktion zufrieden und sprach von einem Meilenstein. In den vorangegangenen Monaten hatten bereits die Betreiber der Online-Tauschbörse WinMX das Handtuch geworfen. Andere Anbieter suchen nach Kooperationsmöglichkeiten mit der Musikindustrie.

Die Freude könnte jedoch verfrüht sein. An den Tausch-Aktivitäten im Netz wird sich in absehbarer Zeit wenig ändern. Online-Tauschbörsen erfreuen sich nach wie vor großer Popularität. Das Marktforschungsunternehmen Big Champagne zählte im September mehr als 9,3 Millionen Nutzer, die simultan zu jeder Zeit in Filesharing-Netzwerke eingelogt waren. Nur jeder zehnte Song, der aus dem Netz heruntergeladen wird, komme aus legitimen Angeboten, rechnet Eric Garland, der Chef des Markforschungsunternehmens gegenüber US-Medien vor. Auch die bislang eingebrachten mehr als 15.000 Klagen der Musikindustrie gegen Benutzer von Filesharing-Netzwerken haben daran nichts geändert.

In dieselbe Kerbe schlägt die Internet-Bürgerrechtsbewegung Electronic Frontier Foundation (EFF). Ende vergangener Woche zog sie in einem "RIAA v. The People: Two Years later" betitelten Papier eine Zwischenbilanz des Feldzuges der Musikindustrie gegen Tauschbörsen-Nutzer. Dieser habe der Branche, außer einem Imageschaden, nichts gebracht, lautet das Resümee der Internet-Aktivisten. Zur Lösung des P2P-Dilemmas schlagen sie, einmal mehr, die Einführung einer Pauschalgebühr für Musik aus dem Netz vor. (dax)

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