Günstige Downloads nützen der Musikbranche

Vierfacher Umsatz bei 38 Cent pro Download

Der Lehrstuhl Wirtschaftsinformatik an der TU Darmstadt hat sich mit den legalen Downloadangeboten beschäftigt. Die Wissenschaftler kommen zu dem Ergebnis, dass eine drastische Reduzierung der Preise für Downloads einen positiven Effekt sowohl für den Kunden als auch die Musikbranche insgesamt haben könnte.

Die Fronten sind verhärtet und scheinen sich auch im Jahr 2005 nicht aufzulösen. Auf der einen Seite möchte die Musikindustrie ihr Produkt Tonträger retten und bietet deshalb Downloads erst ab 1 Euro pro Musikstück an, was vielen Nutzern viel zu teuer scheint. Für den gleichen Preis bekommt man hochgerechnet schließlich bereits eine komplette CD im Handel - ohne zusätzliche Downloadkosten und Zeitaufwand dafür mit Artwork.

Auf der anderen Seite ignorieren die meisten Musikfans die teuren Downloadshops der Industrie und rüsten ihre PCs derweil zu riesigen, weltweit vernetzten Musikbibliotheken auf - mit Hilfe der nach wie vor boomenden Tauschbörsen. Kostenlos, versteht sich. Ein Ausweg aus dem Dilemma zeichnet sich derzeit nicht ab, obwohl es viele konstruktive Lösungsvorschläge gibt.

Professor Peter Buxmann vom Institut Wirtschaftsinformatik der TU Darmstadt rechnet vor: Laut einer Studie unter 2260 Teilnehmern würden sich gerade mal 86 Teilnehmer für einen Download zu einem Preis von 1,39 EUR entscheiden. Das entspricht einem Umsatz von 119,54 Euro. Davon wird keiner satt.
Bei einem Preis von 38 Cent pro Download würden jedoch schon 1236, also mehr als 50% aller Teilnehmer, sich einen Download leisten wollen. Das entspricht bereits einem Umsatz von 469,68 Euro, fast viermal so viel. Nicht zu vergessen: es gibt dann vierzehnmal so viele glückliche Hörer.

Sicher, Zahlenspiele gibt es viele. Und jede Studie kommt zu einem anderen Ergebnis. Dennoch scheint die Frage berechtigt, wie man einen signifikanten Teil der Bevölkerung für die Bezahl-Downloads begeistern will, wenn nebenan die kostenlosen Angebote weiterhin munter sprießen und gleichzeitig immer besser und sicherer werden.

Sie erfordern etwas technisches Know-How, zeitlichen Aufwand und liefern nicht immer die gewünschten Ergebnisse. Doch selbst technisch mindertalentierte Musikfans haben sich mangels Alternativen längst zu Netzwerk-Spezies entwickelt, die mit Leichtigkeit "Ports freigeben", "Proxys aktivieren" oder "Firewalls konfigurieren" und auf das gute Kharma des legalen Downloads schlichtweg pfeifen. Der musikbegeisterte User ist viel schneller und lernwilliger im Umgang mit den neuen Technologien als die Industrie es zu träumen wagt.

Als Ausweg aus dem andauernden Hase-und-Igel-Spiel zwischen Musikindustrie und Musikfan, schlagen die Darmstadter Wissenschaftler einen runden Tisch aller beteiligten Firmen vor. Denn die bestimmen die Preise und derzeit möchte sich keiner mit weniger zufrieden geben - selbst wenn das Geschäft insgesamt nur zäh und schleppend läuft. Und sich eigentlich keiner dadurch annähernd finanzieren kann.
So müssten Plattenfirmen, Musiker, Gema, Technik- und Finanzdienstleister sich auf eine deutliche Absenkung ihrer jeweiligen Abgaben einigen, zugunsten einer deutlichen Steigerung der Kundenzahlen und damit der Umsätze. Online-Händler hätten dann endlich den Spielraum, Preismodelle zu testen und für ihre jeweiligen Zielgruppen die richtigen Lösungen anzubieten: ob Einzeldownlads, Abos oder Flatrates ist schließlich nicht nur eine Frage des Geldbeutels, sondern vor allem eine Frage der Einstellung. In vielen Branchen seien solche Kooperationsszenarien längst üblich, argumentieren die Forscher in ihrem Artikel in der Frankfurter Allgemeinen vom Montag.

Erste Versuche mit günstigen, subventionierten Downloads von Real Networks haben bereits ein eindeutiges Ergebnis gezeigt: Downloads für 49 Cent wurden dreimal so oft gekauft wie andere Titel zu einem Preis von 99 Cent.
Und so spart der Kunde weiterhin da, wo er sich am schlechtesten bedient fühlt: bei der Musik. (ur)

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