Hackt die Musikindustrie MP3 Tauschbörsen?

Die Zeit des Abwartens und Klagens scheint vorbei. Mit schweren Geschützen macht die amerikanische Musikindustrie jetzt Front gegen die diversen Tauschbörsen. Mit Viren, Fake-Dateien und sogar Hacks geht die Industrie angeblich inzwischen gegen das große Tauschen im Netz vor.

Viele User sind zwar verunsichert, durch die vielen Negativ-Schlagzeilen über die diversen Filesharing Börsen. Von Spyware über undurchsichtige Geschäftspraktiken bis hin zur Schließung von Napster und Audiogalaxy - inzwischen hat wohl jeder mitgekriegt, dass Tauschbörsen unsicher und umstritten sind. Trotzdem hat sich die Mehrheit der Internet-Nutzer schon daran gewöhnt und sieht deshalb überhaupt keinen Grund von der Möglichkeit der schnellen und kostenlosen Downloads zu lassen.

Warum auch? Schließlich sagen nach wie vor viele Nutzer der Tauschbörsen, MP3 nur als Vorhörfunktion zu nutzen und trotzdem weiterhin auch CDs zu kaufen. Doch das sieht die Musikindustrie angesichts stetig fallender Verkaufszahlen nicht so.

Jetzt ist der Kuschelkurs nach Angaben des "San Jose Mercury News" vorbei. Nach dessen Aussagen haben sich bereits drei der fünf großen Plattenfirmen in die Tauschbörsen eingeschleust und überschwemmen diese mit defekten MP3s, Endlos-Refrainschleifen der aktuellen Hits oder MP3s ganz ohne Musik. Viele haben MP3 auch schon als Promomöglichkeit entdeckt und tarnen hinter Titeln von bekannten Songs auch schon mal Werbespots über neue Platten oder andere Botschaften.

Und nicht nur das: auch die ersten P2P-Viren sind jetzt bereits aufgetaucht. Diese seien zwar harmlos, wie Spiegel.de berichtet, doch sie sind ein erstes Anzeichen dafür, dass die Tauschbörsen einige Sicherheitslücken aufweisen, die sich die Musikindustrie schnell zunutze machen kann. Und wer sonst sollte so rabiat gegen KaZaa, Morpheus und Co. vorgehen?

Ein Problem hat die Musikindustrie bei einer solchen Vorgehensweise allerdings: derartige Manipulationen und Angriffe sind nach US-Recht illegal und strafbar. Doch der Einfluss der Musikindustrie reicht weit. Viel weiter als der der jungen Tauschbörsen. So arbeiten einige Lobbyisten in den USA bereits daran, für das entsprechende Gesetz Ausnahmen durchzusetzen, das der Musikindustrie ein rigoroses Vorgehen, gegen Nutzer von Tauschbörsen ermöglicht. Doch das wird Jahre dauern, Jahre, die immer mehr und immer bessere P2P-Lösungen bringen werden. So wurden bereits erste P2P-Systeme für die Verhinderung von Spam-Mails entwickelt. Spinnt man diese Idee weiter sind die ersten Systeme zur Abwehr von Viren, Trojanern und "gefälschten" Musikdateien möglicherweise auch nicht mehr weit. Speziell die Filmtauschbörse E-Donkey verfügt bereits über ein gut funktionierendes Community-System über das Fakes der neuesten Kino-Hits effektiv ausgefiltert werden können.

Die Musikindustrie zeigt sich im Netz nach wie vor als mega-konservativer und unbeweglicher Apparat, der zugunsten von ein paar Cent mehr, eine technische Revolution bis aufs Blut bekämpft. Doch, das zeigt die Geschichte: technische Revolutionen sind nicht aufzuhalten. Es wird Zeit sich das einzugestehen und konstruktive, zukunftsfähige Lösungen zu suchen. (ur)

Wie sind Eure Erfahrungen? Habt Ihr schonmal einen Virus über eine Tauschbörse eingefangen? Habt Ihr schon mal gefakte Musikdateien heruntergeladen? Schreibt uns Eure Meinungen ins Forum.

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