Harvard Professor fordert Flatrate für Musik

Apropos Elite-Uni: die Harvard University arbeitet derzeit an einer neuen Studie für das Geschäft mit Musikdownloads. Wenig überraschende Erkenntnis der Arbeit: Pay-per-Download bringt`s nicht. Viel zu teuer, viel zu bürokratisch. Dafür könnte eine Flatrate die gebeutelte Branche retten. Der Preis dafür soll gerade mal 6 Dollar betragen.

Er ist nicht der erste, der so eine Rechnung aufmacht. Doch Professor William Fisher III. ist sicher einer der honorigsten, der zu der Ergebnis kommt, dass man für Musik zukünftig am Besten eine Flatrate einführen sollte. Die Ergebnisse seiner Studie will er noch in diesem Jahr in einem Buch mit dem Titel "Promises to Keep" veröffentlichen.

In zwei vorab veröffentlichten Kapiteln, erklärt Fisher, wie sein Modell funktionieren soll. Demnach sollen nur alle Breitband-Nutzer die erhöhte Flatfee für Musik bezahlen, also diejenigen, die sich bereits jetzt massenhaft Musik oder Filme aus dem Netz downloaden. Bereits für 6 Dollar mehr pro Monat könne man die Künstler fair bezahlen, so die Berechnungen des Professors. Außerdem können geringe Abgaben für Hardware wie MP3 Player, CD-Brenner usw. erhoben werden.

So könnte man vollkommen auf aufwändige DRM-Einschränkungen und Kopierschutz verzichten und voll das Audio-Format unterstützen, was sich längst als Standard für Audio auf allen Computern weltweit durchgesetzt hat: MP3.

Netter Nebeneffekt: aus dem Tauschen von Musik wird statt eines Verbrechens wieder eine Kultur, in der sich alle gegenseitig inspirieren und Dinge entdecken können. Überall könnten Download-Stationen mit Breitbandanbindung eingerichtet werden und statt bei Mediamarkt könnte man sich dann in der Stamm-Bar treffen und sich da vom DJ ein bisschen Musik empfehlen lassen. Jeder wo er möchte. Ob bei KaZaa, bei Tonspion oder beim Musikantenstadl spielt dann keine Rolle mehr.

Die Verteilung soll nach einem ähnlichen Modell berechnet werden, nach dem auch die TV-Quote gemessen wird, also durch repräsentative Erhebungen. Damit spart man sich einen Haufen Verwaltungsaufwand und müsste nicht jedem einzelnen Download Big-Brother-mäßig nachspüren.

Die Künstler seien zudem bei so einem Modell weit weniger abhängig von der Musikindustrie als bisher. Und da ist auch schon der Haken: natürlich wird eine Musikindustrie bis zum letzten darum kämpfen, die Kontrolle über ihre Künstler und die Produkte nicht aus der Hand zu geben. Zumindest so lang ihre Branche größenmäßig noch relevant ist. Und das wird sie immer weniger. Was zu Lasten von allen geht. Künstler, Hörer, Medien und nicht zuletzt: Labelmitarbeiter sitzen doch in einem Boot.

Dabei wären Labels gut beraten, einfach das zu tun, wofür sie einmal gegründet wurden: gute Musik zu entdecken und bekannt zu machen. Denn dann profitieren auch sie von so einem Flatrate-System.

Professor Fisher stellt einige im Detail unterschiedliche Modelle zur Diskussion, weist aber in der Einführung darauf hin, dass alle Modelle nur mit Kooperation aller Beteiligter umzusetzen seien. Und dazu gehöre eine Menge Optimismus. Doch das ist auch der Pluspunkt seines vorgeschlagenen Systems: einmal eingeführt, sei jeder am Erfolg interessiert. Die bisher konträren Interessen von Label, Künstler und Konsumenten könnten in Einklang gebracht werden.
Auch wenn es noch viele Detailfragen zu beantworten gebe, sei jedes einzelne seiner Modelle besser, als der momentane Zustand der Musikindustrie, meint Professor Fisher.

Die Kaptitel aus dem Buch von Professor Fisher gibt`s zum Nachrechnen auf seiner Homepage zum Download. (ur)
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